Notaufnahme: Warten bis der Arzt kommt

Drei Stunden lang zu sitzen ist für Patienten im Zwickauer Heinrich-Braun-Klinikum nicht selten. Ist das ein Problem? Ja, aber ganz anders, als viele Betroffene meinen.

Zwickau.

Wer in die Notaufnahme des Zwickauer Heinrich-Braun-Krankenhauses (HBK) kommt, erwartet schnelle Hilfe. Die bekommt man aber nicht immer. Während Patienten von dreistündigen Wartezeiten berichten und diese als Zumutung empfinden, hält die Klinikleitung diese Dauer für "eigentlich sehr günstig." Das geht aus einer Antwort auf die Stadtratsanfrage von Christiane Drechsel (CDU) hervor, die der "Freien Presse" vorliegt. Eine Reduzierung der Wartezeit würde demnach den Effekt verstärken, dass noch mehr Patienten die Notaufnahme aufsuchen, obwohl sie dort überhaupt nicht hingehören und besser ambulant versorgt werden sollten. Einer Schätzung zufolge sind das mehr als 40 Prozent. Das Kernproblem: Überfüllte Wartezimmer sorgen für längere Wartezeiten. 2017 lag die Anzahl der täglichen Patienten in der Notaufnahme des HBK im Schnitt bei 91,5. Zwischen Januar und April erhöhte sich die Anzahl auf 95,13 und nach dem Umzug in die neuen Räume im Mai auf mehr als 104. Viele davon seien zwar in keiner kritischen Situation, abweisen könne man sie trotzdem nicht, so das HBK. "Eine Nicht-Untersuchung dieser Patienten birgt die Gefahr einer 'unterlassenen Hilfeleistung'", heißt es.

Woran das liegt: Laut HBK wissen Patienten über die Zuständigkeit sowie die Telefonnummer des kassenärztlichen Notdiensts (116117) nicht Bescheid. Zudem hätten sie Hoffnung auf eine umfangreiche Versorgung im Krankenhaus. "Dazu kommt eine ungebremste Erwartung einer Flat-Rate-Medizin, für die man schließlich Beiträge bezahlt hat", kritisiert das HBK.

Wohin das führt: Nach Klinik-Angaben haben andere Häuser teilweise während der Grippewelle im Frühjahr 2018 ihre jeweilige Notfallversorgung abgemeldet. Demnach seien Patiententransporte teils über weite Strecken nötig geworden, um überhaupt eine aufnahmefähige Klinik zu finden. Das HBK hat eigenen Angaben zufolge keine Patienten abgewiesen, trotz gleichzeitig hohen Krankenstands der eigenen Mitarbeiter. Zusammenfassend heißt das, dass im Frühjahr "die stationäre Versorgung in der Region eingeschränkt bis gefährdet war."

Folgen für die Wartezeit: Das HBK versichert, dass Schwerverletzte nach Verkehrsunfällen, Patienten mit Herzinfarkt oder Schlaganfall rasch und umfassend versorgt werden. Andere Fälle müssten warten. "Insoweit ist die Angabe einer Wartezeit von zwei bis drei Stunden meines Ermessens eigentlich als sehr günstig zu sehen und wird sich voraussichtlich in Zukunft nicht verkürzen lassen", schreibt der ärztliche Direktor Dr. Stefan Merkelbach. "Eine Verkürzung der Wartezeit würde die inadäquate Inanspruchnahme ja sogar weiter steigen lassen." Wie die Lösung aussieht: Das HBK hat unter anderem die Weiterleitung von Patienten aus der Notaufnahme auf die Stationen verbessert. Inzwischen sei eine Beruhigung der Lage eingetreten. Langfristig bräuchte es aber andere Methoden. Um Notaufnahmen generell zu entlasten, seien spezielle Notfallpraxen eine sinnvolle Methode, findet das HBK. In der Regel befinden sich diese in Krankenhaus-Nähe und decken einen Großteil der ambulanten Fälle ab. Das HBK stehe seit 2016 in entsprechenden Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung, aber vor dem Jahr 2020 hält man eine solche Einrichtung nicht für realistisch. Das HBK kritisiert, dass solche Praxen im Westen und inzwischen auch in Thüringen üblich seien, Sachsen aber zunächst ein Pilotprojekt unter anderem in Annaberg durchführen möchte, um Erfahrungen zu sammeln. Der "unmittelbare Wert einer sächsischen Selbsterfahrung" sei wenig nachvollziehbar.

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