OB Kluge mahnt: Verbrechen von damals nicht verharmlosen

Am Montag gedachten Einwohner von Hohenstein-Ernstthal der Opfer des Nationalsozialismus und legten Kränze nieder.

Hohenstein-Ernstthal.

Oberbürgermeister Lars Kluge (CDU), mehrere Stadträte der Fraktionen CDU, Linkspartei/Pro Hot und SPD/Grüne, Einwohner der Stadt Hohenstein-Ernstthal und Schüler des Lessinggymnasiums haben am Montag am Mahnmal am Fuße des Pfaffenberges der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. OB Kluge und Vertreter der Linkspartei legten Kränze nieder. Das Stadtoberhaupt fand in einer kurzen Ansprache mahnende Worte. Er sagte sinngemäß: "Wir dürfen nicht hinnehmen, dass die Morde und Verbrechen von damals heute wieder relativiert und verharmlost werden." Am 27. Januar vor 75 Jahren befreiten Soldaten der Roten Armee das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Lars Kluge wies daraufhin, dass im Jahre 1996 durch den damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog der Gedenktag bundesweit eingeführt worden war. Am Montag standen die Flaggen vor den öffentlichen Gebäuden wie zum Beispiel dem Rathaus in Hohenstein-Ernstthal auf Halbmast.

Stadtchronist Wolfgang Hallmann ging in seiner Rede auch kurz auf die Anwesenheit der Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse aus dem Lessinggymnasium ein. Er sagte sinngemäß: "Es ist gut, wenn junge Menschen an so einer Gedenkveranstaltung teilnehmen." Dann sprach er auch über das Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg, das sich am Schützenplatz befand und 1944 errichtet wurde. "Es war lange Zeit immer die Rede davon, ass es sich bei dem Lager um ein Arbeitslager gehandelt habe. Aber das ist nicht ganz richtig. Es war ein Konzentrationslager. Die Häftlinge, die dort hinkamen, waren vorher in Auschwitz", so Hallmann. Die meisten kamen bei einem Todesmarsch kurz vor Kriegsende ums Leben. Sie wurden - völlig entkräftet - von den SS-Wachmännern erschossen und an den Straßenrändern liegengelassen.

Noch heute leben Augenzeugen. Konrad Ebert aus Bernsdorf, der 1945 fünf Jahre alt war, kann sich noch an einen der Todesmärsche, die durch unsere Region führten, erinnern. "Noch heute höre ich das Getrappel der Holzschuhe, die die Häftlinge an den Füßen hatten", sagte er in einem Gespräch mit der "Freien Presse". Seiner Erinnerung nach kam der Tross aus Richtung Rüsdorf, wurde durch Bernsdorf in Richtung Lichtenstein getrieben. Ein Tross aus ausgemergelten Männern in blaugrau-gestreifter Kleidung. Die Wachmänner hätten mit Gewehrkolben auf die Männer eingeschlagen. Bernsdorfer, die ihnen Brot geben wollten, wurden ebenfalls mit Schlägen daran gehindert.


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