Orte geben Startschuss für die Pyramiden

Bei Roster, Glühwein und Weihnachtsmusik haben Besucher in der Region das Pyramidenanschieben miterlebt. In Lobsdorf und Hohenstein-Ernstthal hat das längst Tradition. Gersdorf ist auf dem besten Weg dahin.

Hohenstein-Ernstthal.

Bei weihnachtlichen Bläserklängen genossen am Samstagnachmittag in der Dämmerung schon rund 200 Besucher Roster und Glühwein auf dem Hohenstein-Ernstthaler Altmarkt. Derweil wälzte sich ein Lampionumzug, angeführt von Drehorgelspieler Reiner Kleez aus Thalheim, zielstrebig über Külzplatz, Schulstraße und Dresdner Straße dem Ort des Geschehens vor dem Rathaus entgegen. Das Instrument auf vier Rädern, das seine Klänge aus 26 Tonstufen und 44 Pfeifen holt, schob der 69-Jährige tapfer steil bergauf.

Leichter hatte es dagegen Eseldame Bibi. Sie transportierte reitwillige Knirpse ebenerdig übers Kopfsteinpflaster des Altmarktes. Damit es dem vierbeinigen Mädel nicht zuviel wurde, bekam sie von den Pferden Morena und Ayla von der Pferdesportgemeinschaft Ursprung Unterstützung. Auch die Zwillinge Greta und Lotta Hübner, beide acht Jahre jung, gönnten sich einen Ritt, natürlich aufmerksam verfolgt von Oma Regina und Opa Georg Hübner. Wie dieses Quartett vertrieben sich viele Neugierige die Zeit, bis endlich Stadtrat Dirk Trinks in Vertretung des Oberbürgermeisters den Startschuss zum Pyramidenanschieben gab.

Bereits am Nachmittag brachten die Gersdorfer ihre Pyramide in Schwung. "Wenn es noch hell ist, sind die Kleinkinder noch nicht so müde", sagte Bürgermeister Erik Seidel (parteilos). 25 pusteten kräftig mit dem Ortschef, damit die Pyramide, Baujahr 1983, in Fahrt kommen konnte. Die Premiere 2018 erlebten vielleicht 50 bis 60 Neugierige mit, diesmal bevölkerten schon an die 200 Besucher den Markt. Für sie hatten die Macher drei Buden, zwei Feuerschalen fürs Knüppelbrot und die obligatorische Weihnachtsmusik aufgefahren. "Wenn so viele Gäste kommen, dann kann es eine Tradition werden", so Seidel. Die Pyramide geht auf eine Idee von Vereinschef Christian Schwalbe zurück, er hatte 1983 auch maßgeblich an den Entwürfen gearbeitet. "Damals war schwer an Material heranzukommen", erinnert er sich. Auf den drei Ebenen drehen 70 bis 80 Zentimeter hohe Figuren ihre Runden. Sie verkörpern quasi den Ort. Die untere Etage die Gewerke: Zwirnerei, Bergbau, Landwirtschaft, Brauerei und Betonwerk. In der mittleren stehen Klöpplerin, Gärtner, Chorsänger und Schnitzer für das Vereinsleben. Ganz oben tummeln sich spielende Kinder. "Damals waren ja christliche Motive unerwünscht", sagt Schwalbe, der erst am Vormittag mit einem Dutzend Helfern Pyramide und Schwibbogen aufgebaut hatte - und das in der Rekordzeit von 180 Minuten.

Feierlich ging es auch in Lobsdorf zu. Dort machten Ortschaftsrat und Kirchgemeinde mit dem Pyramidenanschieben das Dutzend voll. Rund um die Pyramide ging kein Apfel mehr zur Erde. Wo tags zuvor noch nix stand, reckte sich am Sonnabend die schmucke Konstruktion aus 156 Holzteilen, bestückt mit 17 Figuren in die Höhe. Letztere waren erst in diesem Jahr zur Schönheitskur bei ihrem Schöpfer in Gesau. "Nun hat sich auch die Finanzlage bei den drei Königen verbessert", witzelte der scheidende Ortsvorsteher Wolfgang Schleife. Die Könige haben jetzt Gold im Gewand und das Kamel keine rote, sondern eine grüne Decke. Nach dem Lobsdorfer Pyramidengedicht, gesprochen von Hasso Oehlmann, ging es ans Feiern.

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