Palla kostet 32.000 Euro pro Jahr

Seit Beginn der Petition für den Erhalt der größten Glauchauer Industriebrache wird lebhaft diskutiert. Da sind die Fakten hilfreich.

Glauchau.

48Unterschriften pro Tag werden derzeit registriert. Mit Stand von Freitag haben knapp 500Leute die Petition "Rettet die Palla" unterschrieben. Etwas weniger als die Hälfte davon kommt aus Glauchau. Seit die Aktion gestartet wurde, ist das Problem der denkmalgeschützten Industriebrache entlang der Otto-Schimmel-Straße wieder in die öffentliche Debatte gekommen. Dabei spielen Fakten und Zahlen eine bedeutende Rolle.

Kosten der Stadt: Auf Anfrage der "Freien Presse" hat die Stadt Glauchau die Kosten genannt. Bezogen auf die Jahre 2015 bis 2018 liegen sie durchschnittlich bei 32.000 Euro pro Jahr. Stadträte der Freien Wähler hatten in der Diskussion von 50.000 beziehungsweise 60.000 Euro gesprochen. Wie die Stadt weiter mitteilt, liegen die jährlichen Bewirtschaftungskosten bei 5000 Euro. Hinzu kommen Leistungen des Bauhofes wie Kontrollen, Kleinreparaturen, Anliegerpflichten und Absperrungen im Wert von 15.000Euro. Darüber hinaus entstehen laut Stadt Kosten für die bauliche Unterhaltung. Dafür wurden im Jahr 2018, vor allem für die Dachreparatur, 19.000 Euro aufgebracht. "Der Gesamtschaden an den Dächern war deutlich höher und wurde größtenteils durch Versicherungsleistungen abgedeckt", heißt es weiter. Laut Doppelhaushalt 2019/20 kostet der Abriss des Komplexes gut 1 Million Euro.


Bisherige Vermarktungsversuche: Die Stadt kam im Jahr 2005 in den Besitz der Palla. Der Ideenwettbewerb für ökologisches Bauen mit dem Titel "Palladion" brachte einige Gestaltungsideen hervor, die mangels Investoren nie umgesetzt wurden. Auch das Projekt "Forum der Generationen" scheiterte an Unstimmigkeiten zwischen Stadt, Stadtrat und Projektträger. Einige Jahre später, 2012, fasste der Stadtrat den Doppelbeschluss: Abriss vorbereiten und gleichzeitig Investoren suchen. Im Frühjahr 2019 schrieb die Stadt nach erfolgversprechenden Vorgesprächen, das gesamte Objekt zum Verkauf aus. Das Angebot, das einging, war nach den Worten von Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos) nicht annehmbar. Die Stadt stellte den Fördermittelantrag für den Abriss innerhalb des EU-Förderprogramms "Integrierte Brachflächenentwicklung" 2014 bis 2020.

Die Petition: Der Fördermittelantrag war Anlass für den Glauchauer Denkmalverein und die Initiative "Industriekultur Ost", eine Unterschriften-Aktion zum Erhalt der Palla-Brache, die Ende Juni Schauplatz eines öffentlichen Konzertes war, zu starten. Die Aktion begann am 17.Juli und soll bis zum Denkmaltag am 8.September andauern. Ziel ist es, den Stadtrat zu bewegen, seinen Beschluss von 2012 wieder aufzuheben.

Politische Reaktionen: Das hat zu Diskussionen geführt. Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Stadtrat, Andreas Weber, zum Beispiel spricht sich aus Kostengründen für den Abriss aus. Die langjährige Fraktionschefin der SPD, Helga Scheurer, plädiert hingegen für den Erhalt der Brache. Landtagskandidat und Stadtrat Nico Tippelt (FDP) sagt, einen schnellen Totalabriss werde es kaum geben können. Das Förderprogramm sei überzeichnet. Das repräsentative Bößneck-Meyer-Gebäude am Scherbergplatz sei stadtbildprägend und sollte nach Tippelts Meinung "in jedem Fall erhalten bleiben". Auch außerhalb von Glauchau ist das Schicksal der Palla bekannt. Die AfD hat es für sich entdeckt. Deren Landtagskandidat Thomas Seifert aus Zwickau sagt: "Die drei Gebäude der zurzeit nicht schön anzusehenden Industriebrache umfassen etwa 15.000 Quadratmeter Fläche." Besonders die "Rennbahn" sei auf Grund der baulichen Situation schwer nutzbar. "Die geschätzten Sanierungskosten je nach Nutzung liegen bei mindestens 1500 Euro pro Quadratmeter", fügt er hinzu. Das würde einen Mietpreis von 10 Euro pro Quadratmeter bedeuten. "Dafür gibt es in der Region kein Klientel", sagt Seifert. Er plädiert dafür, in den nächsten drei Jahren das Denkmal neu zu vermarkten und ein "sinnvolles Konzept" hinsichtlich Nutzung und Fördermittel zu erarbeiten. Ein Abriss der "Rennbahn" sei für ihn denkbar.

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