Pantoffel-Helden aus Heinrichsort

Viele Familien-Betriebe haben Schwierigkeiten, Nachfolger zu finden. Bei der Hausschuhfabrikation in dem Ortsteil von Lichtenstein lief das anders.

Heinrichsort.

Jens Müller (48) ist nicht sauer, wenn man zu ihm sagt: "Du alter Pantoffelheld!" In dem Betrieb, in dem er bis vor Kurzem gearbeitet hat, haben ihn die Kollegen oft so bezeichnet. "Sie haben es spaßig gemeint. Sie wussten, dass meine Eltern eine kleine Firma haben, in der Pantoffeln und Hausschuhe hergestellt werden", erklärt Jens Müller. Bei dem kleinen Unternehmen handelt es sich um die Helmut Dietrich Hausschuhfabrikation Heinrichsort mit vier Beschäftigten.

Eigentlich ist Müller erst ab jetzt ein richtiger "Pantoffel-Held". Er wird in den nächsten Tagen den Familienbetrieb übernehmen. Ab 1. Januar ist er Chef des Hauses. Dabei hat er einen guten Job in einem großen Betrieb aufgegeben. Jens Müller war seit 1986 als Elektromaschinenbauer im Starkstromgerätewerk Neumark tätig. Als Meister hatte er in seinem Bereich die Personalverantwortung für über 100 Beschäftigte. "Aber ich habe gekündigt, weil ich möchte, dass unser Familienbetrieb weiter existiert", sagt Müller.

Während viele kleinere Familienbetriebe große Schwierigkeiten haben, einen Nachfolger zu finden, geht es bei der Dietrich Hausschuhfabrikation an der Prinz-Heinrich-Straße in dem Ortsteil von Lichtenstein somit weiter. Müller übernimmt die Firma von seiner Mutter Christine, die inzwischen 73 Jahre alt ist. Gegründet hat den Betrieb 1942 ihr Vater Helmut Dietrich. In der DDR war seine Hausschuhfabrikation an eine Genossenschaft angegliedert, die festlegte, welche Stückzahl produziert werden durfte. "In guten Jahren haben hier zehn Leute rund 20.000 Paar hergestellt", so Christine Müller.

Nach der Wende fand der Betrieb Absatzmärkte in Österreich, in der Schweiz und in ganz Deutschland. Heute werden jährlich 6000 Paar Pantoffeln produziert. Die Mutter und ihr Mann Peter (73), der ebenfalls noch in der Firma ist, lernen ihren Sohn zurzeit an. Die Vierte im Bunde ist Christine Müllers Schwester Renate (68), die aber auch bald kürzer treten will. Dann braucht "Pantoffel-Held" Jens Verstärkung.

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