Plötzlich gehört der Joint zum täglich Brot

Bei einer Durchsuchung findet die Polizei 23 Cannabispflanzen und reichlich Marihuana. Das brachte einen Limbach-Oberfrohnaer vor Gericht. Der Richter ließ relative Milde walten.

Hohenstein-Ernstthal.

Es ist nur eine weiche Droge. Wer allerdings 157 Gramm Marihuana kauft, zu Hause aufbewahrt und tütchenweise wieder verkauft, macht sich strafbar. Der Gesetzgeber sieht für einen solchen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz eine Haftstrafe nicht unter einem Jahr vor. Das wusste auch der 36-jährige Limbach-Oberfrohnaer, der sich unter anderem wegen 78 Fällen des Besitzes und Handeltreibens mit Betäubungsmitteln vor dem Hohenstein-Ernstthaler Schöffengericht verantworten musste.

Erst seit 2014 gehörten Joints für den Angeklagten zum täglich Brot. "Abends habe ich gekifft", sagte er. Todesfälle in der Verwandtschaft und der Selbstmord eines Freundes hatten ihn schwer belastet. "So konnte ich wenigstens schlafen", begründete er den Beginn seiner Sucht. Bei einem Oberlungwitzer, der inzwischen verurteilt ist, bezog er zwischen Sommer 2014 und 2016 nachweislich 68-mal kleine Mengen Marihuana. Auch von Januar bis April 2017 kaufte er zehnmal jeweils zwei bis drei Gramm Marihuana für 20 bis 30 Euro bei einem Dealer in Limbach-Oberfrohna. Im April deckte er sich gleich mit 157 Gramm Marihuana ein, von denen er später noch zehn Gramm an andere verkaufte.

Ursprünglich hatte der Angeklagte eine Lehre im Garten- und Landschaftsbau begonnen und nach zwei Jahren wieder hingeschmissen. Ganz untalentiert kann er allerdings nicht gewesen sein. Als die Polizei am 10. Mai zu einer Wohnungsdurchsuchung bei ihm einrückte, fand sie 23 Cannabispflanzen. Die waren zwar erst 20 Zentimeter hoch, wuchsen aber prächtig. Dass die Polizeibeamten auch noch 12 verbotene Feuerwerkskörper "La Bomba" und einen Polen-Böller "Dum Bum" bargen, brachte ihm zusätzlich noch eine Anklage wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz ein.

Vor Gericht machte er deutlich, dass er schon seit einem Jahr nicht mehr kifft und das alles einfach hinter sich bringen möchte. Zurzeit absolviert er eine Art Umschulung zum Koch. Das gefalle ihm. "Ich will wieder voll arbeiten gehen und meinen Kindern nicht irgendwann sagen müssen, dass ich mal im Knast war", sagte der Angeklagte, dessen Kinder allerdings nicht bei ihm leben. Beim Anschauen der Fotos von der Wohnungsdurchsuchung wurde zumindest eines deutlich: "Die Wohnung ist sauber und aufgeräumt. Da kennen wir anderes. Sie sind nicht der klassische Junkie", stellte Richter Manfred Weber fest.

Weil der Mann ein komplettes Geständnis ablegte und einen bisher jungfräulichen Bundeszentralregisterauszug vorweisen konnte, ging das Gericht im Strafmaß an die untere Grenze. Die Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten wurde für zweieinhalb Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Monatlich zehn Stunden gemeinnützige Arbeit, insgesamt 70 Stunden, muss er zudem leisten. Das entfällt vorzeitig, sobald er dem Gericht einen festen Job vorweisen kann. Dreimal muss er außerdem eine Suchtberatungsstelle aufsuchen und dies dem Gericht nachweisen.

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