Polizeipräsident verabschiedet

Nach nur einem Jahr im Amt war gestern schon wieder Schluss für Reiner Seidlitz. Zwickaus oberster Ordnungshüter hadert aber mit der Beförderung und hinterlässt seinem Nachfolger einige offene Baustellen.

Zwickau.

Spätestens als die Polizeikapelle zum Abschluss den Beatles-Hit "Yesterday" spielt, überwiegt die Wehmut. Reiner Seidlitz, Präsident der für den Landkreis Zwickau und das Vogtland zuständigen Polizeidirektion Zwickau, ist gestern im Schloss Osterstein nach nur einem Jahr im Amt verabschiedet worden. Der 58-Jährige tritt am Montag in Dresden seine neue Stelle als Inspekteur der Polizei an und wird damit zweiter Mann hinter dem Landespolizeipräsidenten Jürgen Georgie.

Seidlitz selbst will von einer Beförderung nichts wissen, er nennt seinen Aufstieg "Versetzung" und betont in seiner Abschiedsrede vor Führungsbeamten, dass er lieber in Zwickau geblieben wäre. Er hat selbst das Gefühl, zu viele offene Baustellen zu hinterlassen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. "Seit Jahren wird über dringend notwendige Baumaßnahmen an unseren Dienststellengebäuden geredet, passiert ist nichts", sagte Seidlitz gestern der "Freien Presse". Die Reviere in Zwickau, Werdau und Glauchau müssten unbedingt saniert werden. In Zwickau müsse ein neuer Schießstand her, in Werdau sollen Container die Raumnot lösen, und das feuchte Gebäude in Glauchau harre einer Grundsanierung. "Diese Maßnahmen müssen bei laufendem Betrieb umgesetzt werden, und zwar zügig", sagte Seidlitz. Er hätte das gern begleitet, ebenso wie die Verjüngung der Führungsebene. "Ich habe in der Zeit nicht einmal alle unsere 1200 Beamten kennengelernt." Die lobte er dafür in höchsten Tönen, gehört doch die Aufklärungsquote mit mehr als 60Prozent zu den Top-Werten im Freistaat.

Seine Amtszeit in Zwickau war von Kontroversen begleitet. Die offizielle Amtseinführung fand unter Ausschluss der Medien statt. Seidlitz kritisierte Zeitungsbeiträge und wurde dafür wiederum von Politikern kritisiert. Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) monierte im MDR, dass die Zwickauer Polizei nicht entschieden genug gegen Störer bei Stadtspaziergängen vorgehen würde. Seidlitz weist diese Kritik entschieden zurück. "Ich habe mich mit der OB nach ihrer Aussage unterhalten. Da war mancher Vorwurf zu Unrecht geäußert worden." Die Polizei sei den Gesetzen unterworfen, dazu zähle der Schutz der Meinungsfreiheit. "Die subjektive Erwartungshaltung ist nicht immer erfüllbar", drückt Seidlitz das aus.

Sein Vize Dirk Lichtenberger würdigte Seidlitz als direkt, kantig und "keineswegs stromlinienförmig". Er habe der Zwickauer Polizeidirektion Halt gegeben. Nur eben zu kurz. Ob mit seinem Nachfolger Conny Stiehl (59) mehr Kontinuität einzieht, scheint fraglich. Der bisherige Leiter der Görlitzer Polizeidirektion soll nicht weit vom Ruhestand entfernt sein. Stiehl wird der vierte Polizeidirektionschef seit 2013.

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