Polnische Künstler leben Emotionen mit Pinsel aus

Erneut stellen Künstler aus der Partnerstadt Zgierz in Glauchau aus. Sie haben über 30 Werke mitgebracht, die Vielfalt könnte nicht größer sein.

Glauchau.

Wer Probleme bei der Verständigung vermutet, wird rasch enttäuscht. Denn die Künstler, die ab heute in Glauchau einen Querschnitt ihrer Werke vorstellen, werden bestens von Katarzyna Zierold betreut - auf Deutsch und Polnisch. Denn die Chefin der Galerie "Art Gluchowe" im Schloss Forderglauchau, die die Schau der Künstlervereinigung Mühle aus der Partnerstadt Zgierz zusammen mit Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos) eröffnet, stammt aus Polen.

"Es ist nicht die erste Schau von Künstlern aus Zgierz bei uns. Schon 2007 hatten wir eine ähnliche Ausstellung. Nur damals waren es lediglich vier Künstler", erinnert sich die Galerieleiterin. Diesmal sind es 16, und sie vereint eines: Alle leben und arbeiten in der gut 60.000 Einwohner zählenden Kleinstadt Zgierz. Zudem hat ein Großteil der Aussteller an der nur wenige Kilometer entfernten Akademie der bildenden Künste in Łódz studiert oder auch gelehrt. Und nicht zuletzt gebe es bei Glauchau und Zgierz auch eine historische Gemeinsamkeit. Denn die Partnerstädte erlebten in der wirtschaftlichen Blütezeit gleichsam mit der Industrialisierung eine aufstrebende Textilindustrie.

Daher verwundert es wohl kaum, dass neben Malerei und Grafik auch einige Exponate gezeigt werden, die sich dem Textildesign widmen. Die meisten der mehr als 30 Exponate rücken aber Malerei und Grafik in den Fokus. So gibt es neben Landschaftsbildern und Stillleben ebenso geometrische Formen zu entdecken, denen sich der emeritierte Professor für Design, Andrzej Nawrot, verschrieben hat. Sein Bild "Synthetische Berge" kann der Stilrichtung des Konstruktivismus zugeordnet werden und ist den Interpretationen des Betrachters gegenüber sehr offen. Obwohl die Architektur für den Konstruktivismus offensichtlich lange als Mutter aller Künste galt, könne diese Stilrichtung auch Emotionen transportieren. Letztere seien schließlich die Grundlage künstlerischen Wirkens. "Ich habe von der Studienzeit bis heute viele Arbeitsphasen erlebt. Letztlich bin ich aber bei den geometrischen Formen geblieben", sagt der 80-Jährige.

Etwas anders sieht das bei Alia Üstek aus, deren Werken zwar der orientalische Einfluss nicht verborgen bleibt. Die Künstlerin wechselt aber zwischen den Ausdrucksformen. Ob Glasgestaltung, Zeichnung, Grafik, Keramik oder Malerei, ihre beiden Bilder in der Ausstellung stehen der Ikonenmalerei nahe. Dabei schöpft Üstek für ihre Arbeit aus mehreren Kulturkreisen, wobei auch sie wie die anderen Künstler Gefühle transportiert. Ihr liegen die Themen Bräuche, Sitten und Kultur besonders am Herzen.

Die Werke in der Schau bringen zwar keine politischen Botschaften zum Ausdruck, es werden Arbeiten zu den Themen Zgierz, Lyrik und Emotionen gezeigt. Aber "ganz Polen diskutiert, was sich gegenwärtig bei uns abspielt. Da bilden wir keine Ausnahme", ist Nawrot überzeugt.

Die Gruppenausstellung "Malerei und Grafik" in der Galerie "Art Gluchowe" im Schloss Forderglauchau, Schlossplatz 5a, wird heute, 17 Uhr eröffnet. Die Werke der Künstlervereinigung aus dem polnischen Zgierz sind bis 18. November zu sehen. Die Bilder können käuflich erworben werden.

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