Promille-Radler bleibt Haft erspart

Mehr als 1100 Euro muss ein Mann aus Glauchau zahlen. Das Amtsgericht verurteilte ihn wegen Trunkenheit im Verkehr.

Hohenstein-Ernstthal.

Um Haaresbreite ist ein 55-jähriger Mann aus Glauchau jetzt an einer Haftstrafe vorbeigeschrammt. Zweimal hatte die Polizei den betrunken Radfahrer aus dem Verkehr gezogen. Der Radler muss nun 1170 Euro berappen. "Dass es noch einmal mit einer Geldstrafe abgeht, haben Sie dem gnadevollen Antrag des Herrn Staatsanwalt zu verdanken", redete Richter Manfred Weber dem Angeklagten zur Urteilsbegründung ins Gewissen. Weber tendierte in der Verhandlung zu härteren Bandagen. Der Grund: Die Unverbesserlichkeit des Wiederholungstäters.

Seit 2010 musste sich der Glauchauer bereits sechsmal wegen fahrlässiger oder vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr verantworten. Immer wieder wurde er zu Geldstrafen verurteilt. "Das genügt offenbar nicht mehr, um sie zu beeindrucken", so Weber. Im September 2018 zog die Polizei den Mann binnen drei Tagen gleich zweimal aus dem Verkehr. Am 16. September fuhr er gegen 19 Uhr mit dem Fahrrad seine übliche Strecke vom Garten nach Hause. Der Test, den die Polizeibeamten an Ort und Stelle vornahmen, ergab damals 1,9 Promille. Nur drei Tage später fährt ein Mann gegen Mitternacht auf der Meeraner Straße in verdächtigen Schlangenlinien vor einer Polizeistreife her. Als er vor der Gutenbergstraße durch den Kreisverkehr eiert, sind sich die Beamten sicher: Der Radler hat getankt. "Zwei Bier", versicherte dieser. Der Alkomat spricht eine andere Sprache, zeigt 2,08 Promille an. Dass er ein Alkoholproblem hat, gibt er vor Gericht freimütig zu. "Aber wenn Sie nur einen Kilometer vom Garten entfernt wohnen, warum laufen Sie dann nicht Hause oder schieben das Fahrrad?" wollte Manfred Weber wissen. Die Antwort: Reumütiges Achselzucken.

Fakt ist: In Deutschland liegt die Promillegrenze für Radfahrer deutlich höher als die für Kraftfahrer. Ab einem Wert von 1,6 Promille darf auch ein Radfahrer definitiv nicht mehr auf seinen Drahtesel steigen. Sanktionen drohen Radfahrern aber schon, wenn sie mit 0,3 Promille intus durch ihre Fahrweise auffallen oder andere Verkehrsteilnehmer gefährden. Wer erwischt wird, muss sogar mit Konsequenzen für den Führerschein rechnen. Wer mit mehr als 1,6 Promille Fahrrad fährt, riskiert drei Punkte in Flensburg und eine Anordnung zur Medizinisch Psychologischen Untersuchung (MPU), landläufig als Idiotentest bekannt.

Beim Angeklagten bleibt es bei einer Geldstrafe, einen Führerschein hat der Hartz-IV-Empfänger ohnehin nicht mehr. Auf eines weist ihn Richter Weber am Ende noch hin: "Wenn Sie die Geldstrafe nicht zahlen können, dann beantragen Sie, die Strafe in gemeinnützige Arbeit umzuwandeln. Das würde Ihnen sicher guttun. Dann kommen Sie vielleicht nicht mehr so in Versuchung, ihre freie Zeit mit Biertrinken totzuschlagen." Grob umgerechnet müsste der Mann dann 450 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

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