Radfahrer totgefahren: Anklage lautet auf versuchten Mord

Seit Donnerstag steht ein Mann aus St. Egidien vor dem Landgericht. Im Herbst des Vorjahres hat er einen 57-Jährigen überfahren. Der Staatsanwalt verlas die Anklageschrift.

St. Egidien/Niederlungwitz.

Hätte das Opfer überlebt, wenn der Unfallfahrer nicht geflohen wäre, sondern geholfen hätte? Wie auch immer: Dem Mann aus St. Egidien, der im Herbst des vergangenen Jahres in Niederlungwitz betrunken einen Radfahrer totgefahren hat, war ein Menschenleben in dem Moment offenbar weniger wert als unentdeckt davonzukommen.

Am Donnerstag begann vor dem Landgericht Zwickau der Prozess gegen ihn. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann nicht nur fahrlässige Tötung vor, sondern auch versuchten Mord durch Unterlassen. Es war der 12. November 2018. Der Angeklagte war mit seinem Auto auf der Hohensteiner Straße in Niederlungwitz unterwegs. Der Mann hatte vorher kräftig "getankt", war auf dem Weg nach Hause nach St. Egidien. Es war kurz vor 20 Uhr und schon stockfinster, als dem Mann auf der anderen Straßenseite ein Radfahrer entgegenkam. Der Staatsanwalt in seiner Anklageschrift: "Alkoholbedingt befuhr der Angeschuldigte mit seinem Fahrzeug die Gegenfahrbahn und reagierte nicht auf den ihm am äußeren rechten Fahrbahnrand entgegenkommenden Radfahrer, sodass er frontal in Höhe des linken vorderen Scheinwerfers mit diesem zusammenstieß. Der geschädigte Radfahrer wurde über den Pkw in den Straßengraben geschleudert." Laut Anklagebehörde erlitt der 57-Jährige erhebliche innere und äußere Verletzungen, zum Beispiel eine offene Fraktur des linken Oberschenkels. Sie waren so schwer, dass er am Unfallort verblutete. Der Mann im Auto bemerkte den Unfall, fuhr aber weiter, ohne sich um das Opfer zu kümmern. "Er setzte sich aus rein egoistischen Motiven über seine Bedenken hinweg", sagte der Staatsanwalt weiter. Der Angeklagte hätte befürchtet, dass herbeigerufene Rettungskräfte seine Alkoholfahne entdeckt und die Polizei festgestellt hätte, dass er überhaupt keinen Führerschein besaß. So habe er den möglichen Tod des Radfahrers in Kauf genommen.


Der Mann flüchtete und raste in Rüsdorf in der Lichtensteiner Straße in eine Hecke. Eine um 21.31 Uhr entnommene Blutprobe ergab eine Blutalkoholkonzentration von 1,65 Promille. Der Prozess geht am Mittwoch weiter.

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