Reifenstecher hört nicht auf: Kommt jetzt eine Bürgerwehr?

Erneut sind am Wochenende in Lichtenstein Autos beschädigt worden. Seit 2005 treibt der Kriminelle sein Unwesen. Das Vertrauen in die Polizei schwindet. Der Ruf nach Selbsthilfe wird laut.

Lichtenstein.

Mehr als 450 Menschen dürften es mittlerweile sein, die in Lichtenstein innerhalb von zwölf Jahren von den Attacken eines Reifenstechers betroffen waren. Nahezu wöchentlich wächst die Zahl. Nicht nur das: Inzwischen haben der oder die Übeltäter offenbar ihren Wirkungsbereich weiter ausgedehnt.

War es bis voriges Jahr fast ausschließlich die Ernst-Schneller-Siedlung, wo Autoreifen aufgeschlitzt wurden, ist vor Kurzem auch der Parkplatz des DRK-Krankenhauses an der Hartensteiner Straße als Tatort auserkoren worden. Der Nimbus eines friedfertigen Städtchens, der quasi alle Jahre wieder nach Veröffentlichung der aktuellen Kriminalitätsstatistik beschworen wird, überzeugt viele Lichtensteiner längst nicht mehr. Zunehmend rufen sie nach Selbsthilfe, einer Bürgerwehr. Erst in der Nacht zum Montag hatte der Reifenstecher wieder zugeschlagen - gleich an sechs Autos!

Ein Verfechter der Bürgerwehr ist Einwohner Achim Hölzel. Bereits im Februar hatte er bei einer Veranstaltung mit der Leiterin des Glauchauer Polizeireviers, Marika Schwanitz, mehr Initiative durch die Einwohner verlangt. Und während einer Bürgerfragestunde in der jüngsten Stadtratssitzung erneuerte er die Forderung, in dieser Hinsicht endlich mal mobil zu machen. Auch das Thema Videoüberwachung wurde in diesem Zusammenhang angesprochen.

Genau das hält Bürgermeister Thomas Nordheim (Freie Wähler) für kompliziert. Eine Überwachung des öffentlichen Raums sei schwer möglich, sagte er. "So eine Aktion wird kein Staatsanwalt genehmigen, weil der Schutz persönlicher Daten eine höhere Bedeutung hat als der vor Sachschäden", so Nordheim. Die Möglichkeit des Einsatzes einer Bürgerwehr wolle er jedoch noch einmal prüfen, versprach er. Marika Schwanitz hält wenig davon. "Auch eine Bürgerwehr hat keine anderen Befugnisse als jeder andere Bürger. Das Gewaltmonopol liegt allein auf staatlicher Seite", sagte sie gestern. Sie appelliere vielmehr an die Aufmerksamkeit der Bürger. Was man bisher an Hinweisen erhalten habe, "war nicht so prall". Ähnlich äußerte sich Anett Münster, Sprecherin der Polizeidirektion in Zwickau. In dieser Behörde werden die Ermittlungen zum Reifenstecher konzentriert. "Kaum Hinweise. Und wenn, waren sie nicht brauchbar", erklärte sie. Aber: "Wir sind dran, auch wenn man im Moment noch kein Ergebnis sieht."

Bleibt der Strohhalm Video-Überwachung. "Ja, ich wäre dafür", reagierte SPD-Stadtrat Jürgen Hofmann. Ob das rechtlich möglich ist, wisse er jedoch nicht. Entgegen der Auffassung von Bürgermeister Nordheim stehen die Chancen, auf diese Variante zurückzugreifen, gar nicht so schlecht. "Wenn der Fall nicht anders aufgeklärt werden kann, ist eine Videoüberwachung rechtlich durchaus möglich", so die Zwickauer Staatsanwältin Ines Leonhardt.

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