Reiselust der Westsachsen ist riesengroß

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Endlich wieder raus aus den vier Wänden, endlich Urlaub machen - die Coronazahlen sinken und die Reiselust wächst. Während die einen auf Ferienwohnungen im Inland setzen, wollen andere nur raus aus Deutschland.

Landkreis.

Welche Vorschriften gelten aktuell in welchem Land? Wo gibt es Sonderregelungen für Geimpfte und Genesene? Was ist, wenn die Regeln im gebuchten Urlaubsland bis zum Reiseantritt wieder verschärft werden? Fragen über Fragen bewegen derzeit die Menschen, die angesichts gesunkener Coronazahlen oder nach ihrer Impfung wieder Urlaubspläne schmieden. Und mit diesen wenden sich viele an die Reisebüros. Die sind zwar im Lockdown geschlossen, aber telefonisch und über E-Mail für Beratungsgespräche und Reisebuchungen aktuell sehr gefragt.

Lars Enke, Inhaber des Reisebüros Paradiso in Zwickau mit Filialen in Eckersbach und Meerane, sagt, dass die Corona-Regeln derzeit in jedem Land anders sind und täglich Lockerungen oder aber auch neue Einschränkungen hinzukommen würden. "Wir kommen mit dem Lesen der Änderungen kaum noch hinterher", sagt er. Derzeit stünden vor allem die Balearen, die griechischen Inseln und die Kanaren im Fokus des Reiseinteresses. "Für den Familienurlaub in den Sommerferien seien Spanien, Griechenland und Malta besonders gefragt, Österreich werde mehr als Italien gebucht. "Und wir hoffen, dass bis zu den Schulferien auch Bulgarien öffnet", sagt Enke. Viele Familien würden noch zögern, weil sie nicht wissen, wie sich die Pandemie und die Bedingungen in den Reiseländern bis zu den Ferien entwickeln. "Denen raten wir zu sogenannten Flex-Optionen, die Veranstalter im Reisepreis oder gegen einen geringen Aufpreis mit anbieten. "Damit kann man ohne Angabe von Gründen bis 14 Tage vor Reisebeginn kostenlos stornieren", so Enke. Mit zunehmender Reiselust würden auch die Preise in viele Zielgebiete steigen. "Ich war gerade mit einer Gruppe für 1200 Euro eine Woche alles inklusive in einem 4,5-Sterne-Hotel in der Dominikanischen Republik. Die gleiche Reise hat in der Woche darauf schon 1900 Euro gekostet", berichtet er. Doch solche Schwankungen habe es auch schon vor Corona gegeben. "Einen starken Zuwachs verzeichnen wir bei Ferienwohnungen im Inland." Sehr gut gebucht im Sommer seien vor allem Bayern und Mecklenburg-Vorpommern. "Da setzen die Menschen auf weniger Kontakt als in Hotelanlagen", so Enke.

Unter dem Motto "Hauptsache raus aus Deutschland" beobachtet Patrick Leistner, Inhaber des Reisebüros Reiseträume Glauchau mit Filialen in Greiz sowie Grünhain-Beierfeld, eine andere Tendenz. "Viele Leute sagen, dass sie mal raus aus dem deutschen Corona-Chaos wollen", sagt er. Generell teurer sei der jetzt wieder zunehmend mögliche Urlaub nach seinen Beobachtungen nicht. "Natürlich haben einige Preise angezogen. Die Hotellerie und die Fluggesellschaften hatten während der Schließung Kosten, die wollen sie wieder einspielen. Aber bleiben die Gäste aus, sinkt auch der Preis", sagt Leistner. Er mache gerade die Erfahrung, dass die Menschen in der Region bereit seien, zehn oder 20 Prozent Geld mehr für den Urlaub auszugeben als in Vor-Corona-Zeiten. Die Sehnsucht, mal rauszukommen, sei eben groß.

"Aber die Unbekümmertheit fehlt", berichtet Anneruth Simon, Inhaberin des Reisebüros Simon in Werdau. "Manche befürchten, sich im Flieger anzustecken, andere dass die Corona-Regeln bis zum Reiseantritt wieder verschärft werden, weil die Infektionszahlen steigen. Und diese Erfahrung haben potenzielle Urlauber auch schon gemacht. Ich habe Kunden, die mussten bis zu viermal umbuchen, weil Lockdowns in Deutschland und in anderen Ländern ihre Urlaubsträume platzen ließen." Die vielen Unsicherheiten würden manche davon abhalten, derzeit überhaupt Urlaub zu buchen. Viele von denen, die unbedingt raus aus ihren vier Wänden wollen, seien aber bereit, mehr Geld für eine Reise auszugeben. "Und billiger kann es ja derzeit kaum werden. Die Hotels hatten über viele Monate zu und keine Einnahmen, gleichzeitig haben etliche von ihnen investiert", gibt Anneruth Simon zu bedenken. Fernreisen würden aktuell deutlich weniger gebucht. Die Mittelstrecke laufe besser. Und Urlaub in Deutschland liege im Trend.

Einig sind sich die drei erfahrenen Reiseexperten darin, dass Corona der Reisebranche weit mehr schadet, als die Ereignisse vom 11. September 2001 und die Thomas-Cook-Pleite 2019. Und alle drei sagen, dass die Krise der Reisebranche noch nicht überstanden sei.

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