Rekordverdächtig: Kuh bekommt 17. Kalb

Auf dem Bauernhof von Thomas Werner in Bernsdorf wird am Montag ein besonderer Geburtstag gefeiert. Es geht um die vielleicht älteste Kuh Sachsens.

Bernsdorf.

Am kommenden Montag öffnet nicht nur der kleine Laden im Hof von Familie Werner in Bernsdorf, in dem einmal im Monat frisches Rindfleisch verkauft wird. Nur ein paar Meter entfernt im halboffenen Kuhstall mit 50 Pinzgauer Rindern gibt es auch einen Geburtstag zu feiern, der bei Kühen nicht alltäglich ist.

Kuhdame Giulia wird 18 Jahre alt. Mit diesem Alter wird sie nicht etwa volljährig, sondern eher rekordverdächtig alt. In anderen Ställen werden Milchkühe im Schnitt fünf oder sechs Jahre alt, dann sinkt die Milchleistung.

Die ist bei Giulia aber nicht von großer Bedeutung. Denn Familie Werner setzt auf die Fleischerzeugung und dabei hat die alte Dame als Mutterkuh schon Beachtliches geleistet. Vor wenigen Tagen bekam sie ihr 17. Kalb. "Das hat problemlos geklappt. Sie hat ja schon viel Erfahrung", sagt Thomas Werner. Die Tragzeit bei den Tieren beträgt neun Monate.

Dass eine Kuh in dem Alter nach wie vor Kälber bekommt, erstaunt Peter Köhler vom Regionalbauernverband Westsachsen. "Sie ist mit Sicherheit eine der ältesten Kühe Sachsens, vielleicht sogar die Älteste", sagt er. Bei Familie Werner wird sie auf jeden Fall ihr Gnadenbrot bekommen. Denn das hat sie sich mehr als verdient. So alt werden auf dem Hof natürlich nicht alle Rinder. Bullen werden normalerweise im Alter von 30 bis 36 Monaten geschlachtet. "Bei uns haben sie länger Zeit zum Wachsen. Das ist gut für die Fleischqualität", sagt Thomas Werner. Während andernorts Jungbullen mit 24 Monaten in den Schlachthof kommen, gibt es diese Hektik auf dem ökologisch wirtschaftenden Hof nicht.

Das Futter für die robusten Rinder, mit denen es kaum Probleme gibt, stammt von den eigenen Feldern. So wird sichergestellt, dass es frei von gentechnisch veränderten Pflanzen ist.

Die Schlachtung erfolgt im EU-zertifizierten Schlachthaus vor Ort, in das der Landwirt mehrere Zehntausend Euro investiert hat. Das erspart den 600 bis 1000 Kilogramm schweren Tieren den Stress des Tiertransportes. Zwischen Oktober und April wird dann einmal monatlich Fleisch verkauft. "Unser Kunden sind eigentlich ausschließlich Endverbraucher", berichtet der Bernsdorfer. Oft sind die besten Stücke schon reserviert. Bei den Preisen kann der Hof mit denen beim Fleischer mithalten. "Sonderan- gebote wie im Supermarkt gibt es aber bei uns nicht", sagt Thomas Werner.

Denn wirklich viel verdienen können die Hofbesitzer mit der Fleischerzeugung nicht und auf jede einzelne Arbeitsstunde dürfe in der Landwirtschaft sowieso nicht geschaut werden, erklärt der Landwirt. Viel Enthusiasmus gehört für Familie Werner einfach dazu, da wundert es nicht, dass neben Kuhdame Giulia auch alle anderen Tiere im Stall einen Namen haben.

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