Sachsenring-Lärm: Messung für die Katz?

Diese Woche stand eine zusätzliche Messstation am Queckenberg, um den Geräuschpegel am Sachsenring aufzuzeichnen. Doch ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt war es ruhig.

Hohenstein-Ernstthal/Gersdorf.

Karla Anders wohnt seit 1980 in einem Einfamilienhäuschen am Queckenberg. An dem Haus hängen Erinnerungen. Es war einst das Haus ihrer Großeltern. Jetzt will sie mit ihrem Ehemann nur noch weg von hier. Die Familie ist lärmgeplagt vom nahen Verkehrssicherheitszentrum. "So schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie", sagt die 64-jährige Frau.

Vor zwei Tagen hat die Stadt Hohenstein-Ernstthal fast direkt vor ihrem Haus noch einmal zusätzlich den Lärmpegel messen lassen. Denn der Protest der Bürgerinitiative wird immer massiver. Diese Woche hat deren Sprecher Martin Hartzendorf im Landtag eine Petition mit 170 Unterschriften eingereicht. "Doch diese Messung war der Witz des Jahrhunderts", sagte Karla Anders am Donnerstag zur "Freien Presse". Denn ausgerechnet während der Messzeit war es auf der Strecke fast mucksmäuschenstill. Im Programm stand normales PKW-Fahrtraining. Die Saison für die viel lärmintensiveren Motorradfahrten ist seit September vorbei. "Was soll jetzt diese Messung? Wir fühlen uns verschaukelt", sagt Karla Anders.

Nicht nur an ihrem Haus, auch in der Innenstadt von Hohenstein-Ernstthal war an dem Tag der Lärmmessung kein Geräusch zu hören. Möglicherweise wird das wohl auch in der nächsten Zeit so bleiben. Motorradrennen gibt es dieses Jahr nicht mehr. "Trotzdem soll es noch im Oktober eine weitere Messung geben", sagt Martin Hartzendorf. Er sei aber sehr skeptisch, ob wirklich etwas rauskommt. In der Stadtverwaltung konnte am Donnerstag zur Terminfestlegung der beiden Messungen keiner Auskunft geben. Oberbürgermeister Lars Kluge (CDU) ist diese Woche im Urlaub. Der Geschäftsführer des Verkehrssicherheitszentrums, Ruben Zeltner, hat darauf hingewiesen, dass sich bei den verursachten Geräuschpegeln stets an die gesetzlichen Regelungen gehalten wird. Dagegen geht die Bürgerinitiative davon aus, dass es im Jahr mindestens 150 Lärmtage gibt. Karla Anders: "Wir können keine Freunde mehr einladen, weil es nicht zum aushalten ist."

Unterdessen wird der Ton bei der Bürgerinitiative rauer. Ein Mitglied teilte der "Freien Presse" per E-Mail mit: "Jetzt ist Schluss mit lustig. Es wird noch ein-, zweimal geredet. Dann muss gehandelt werden. Es zählen nur noch Maßnahmen und Lösungen. Ansonsten wird die ganze Sache zum Wahlkampfthema. Das können Sie den Herren mitteilen."

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