Sachsens Skatkönig kommt aus Hohenstein-Ernstthal

Bei den sächsischen Einzelmeisterschaften im Skat hat ein Skatspieler aus der Karl-May-Stadt die gesamte sächsische Elite abgekocht. Dabei ist er weder der coole Rechner noch der Draufgänger oder defensive Künstler.

Hohenstein-Ernstthal.

Bei der sächsischen Einzelmeisterschaft im Skat hat Martin Köhler der gesamten Konkurrenz die Wurst von der Semmel genommen. Nach einem Spielmarathon von sieben Serien zu je 48 Spielen an zwei Tagen stand der Hohenstein-Ernstthaler mit 9321 Spielpunkten als Sachsens Skatkönig fest. Den Erfolg konnte der 64-jährige Hohenstein-Ernstthaler selbst kaum fassen. "Das ist mein bedeutendster Erfolg als Skatspieler. Ich muss zugeben, dass mir bei der Siegerehrung die Knie gezittert haben", sagt der. "Es waren zwei unglaublich anstrengende Tage, und dann dieser Erfolg."

In einem Hotel in Wilsdruff waren 100 Qualifikanten der Regionalmeisterschaften an die Tische gegangen. Der Skatspieler aus der Karl-May-Stadt ließ solche Größen hinter sich wie Ingolf Münch vom 1. SSC Grand Ouvert Zwickau (Platz 7), der schon Vizeweltmeister und Mannschaftsweltmeister gewesen ist. Und Köhler freut sich besonders für seinen Mitstreiter auf dem Silberpodest. André Nikolaus von der Skatrunde Vier Luschen Lichtenstein (9158 Punkte) holte Silber vor Kay Dittrich (8658 P.) von den Grimmaer Muldenperlen.

Martin Köhler spielt seit der Kindheit Skat. "Das haben wir in der Schulzeit gelernt und dann immer mit den Kumpels gespielt", sagt er. Damals dachte er überhaupt nicht darüber nach, ob er lieber wie ein Draufgänger spielt, den coolen Rechner raushängen lässt oder als defensiver Künstler die Punkte macht. Routine holte er sich während seiner Armeezeit. In den 1970er-Jahren diente er in Dranske auf Rügen bei der 6. Flottille, der Schnellbootverband der Volksmarine. "Da habe ich zweimal die Kompaniemeisterschaften gewonnen und Blut geleckt", erinnert er sich. Als 1977 seine Dienstzeit endete, bekam er einen Job als Industriemechaniker im Industriewerk Chemnitz. Bei den Betriebsmeisterschaften spielten damals immer ein paar Hundert Leute mit. Das Turnier konnte er ebenfalls zweimal für sich entscheiden. Das machte ihn zu einem gefürchteten Gegner. Regelmäßig nahm er jetzt an Turnieren teil, bei denen der Siegerpreis ein Trabant war. "Den habe ich aber nie gewonnen", sagt er.

Die Wende in Deutschland legte seine Skatspieler-Karriere erst einmal für mehrere Jahre auf Eis. Als im Industriewerk Feierabend war, ging er in den Westen, arbeitete bei Liebherr Betonmischanlagen. Auch da war nach drei Jahren Schluss, ein Job in der Heimat ließ dennoch kaum Zeit zum Skatspielen. Zeit hatte er plötzlich genug, aber ungewollt, als er arbeitslos wurde. Erst 1998 trug er sich in die Mitgliedsliste des Skatclubs Sachsenring ein. "Plötzlich war ich in den Liga-Spielbetrieb eingebunden. Dort wurde plötzlich gespielt, bis dahin war alles Volkssport. Ich habe eine Menge Lehrgeld bezahlen müssen, noch nie so viele Spiele verloren." Unter dem Leistungsdruck wird Köhler immer besser. Mit der Mannschaft bringt er es bis in die Sachsen-Oberliga. Und trotzdem macht er immer noch Fehler. Einer kostet die Mannschaft den Sachsenpokal. "Ich hätte dieses eine Spiel nicht verlieren dürfen. Das hätte mir aber jemand sagen müssen." Die Ansage fehlte, seine Mitstreiter hätten das wissen können. "Das musste ich mir lange anhören", sagt er. Die großen Turniere in der Region besucht er weiter, holt in der Skatstadt Altenburg je einmal Silber und Bronze. Doch eines gibt ihm zu denken: "Ich hatte in meiner Karriere ungefähr 20 Grand Ouvert, doch seit ich im Liga-Spielbetrieb bin, keinen einzigen mehr." Diese Superspiele werden als Blatt meist eingerahmt und im Skatlokal aufgehängt. Von Köhlers Grand Ouverts hingen gleich mehrere in der "Blauen Maus". "Aber Vandalen hatten das mal irgendwann verwüstet. Da war alles hinüber", erzählt er.

Martin Köhler wollte in der Karl-May-Stadt das Skatspiel nicht einschlafen lassen. Er initiierte die Stadtmeisterschaften, den Karl-May-Pokal, später dann den "Kästl"-Pokal, der sich wegen der Schließung des Gasthauses "Stadt Chemnitz" heute in den "Zeche"-Pokal mit drei Wertungsturnieren gewandelt hat. Was Martin Köhler an dem Spiel mit den 32 Karten liebt? "Es fördert das strategische Denken. Skat, besonders das Reizen, trainiert das Risiko abzuschätzen. Und außerdem macht es Spaß, mit Freunden am Tisch zu sitzen und zu spielen", sagt er. Skat im Internet? Hat er auch schon probiert. "Aber das ist mir zu einsam."

Jetzt bereitet sich Martin Köhler schon seelisch und moralisch auf die Deutsche Einzelmeisterschaft am 15./16. Juni in Würzburg vor. Dort wäre er gern in weiblicher Begleitung gefahren. Aber seine Vereinskollegin Nicole Groß hatte die sechste Serie total verhauen. "Wäre sie bei der Serie im Plus geblieben, wäre sie viel weiter vorn als Platz 20 gelandet", bedauert Köhler. Sie gehört übrigens zur neuen Spielvereinigung im Beratungszentrum für Soziales "Halt". Auch die hat Martin Köhler gegründet, gerade erst.

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