Schach-Schüler gehen in Israel zum Nulltarif ans Brett

Zwei Jungen aus der Callenberger Talentschmiede haben sich am Schachbrett eine Reise nach Israel erkämpft. Der erste Trip außerhalb Europas war für beide eine spannende Erweiterung ihres Horizonts.

Hohenstein-Ernstthal.

Bei der Frage nach dem besten Pferd im Stall würden dem Hohenstein-Ernstthaler Schach-Senior Ulrich Wünsch gleich mehrere Namen aus seiner talentierten Nachwuchsriege einfallen. Auf zwei ist der Ruheständler besonders stolz. Den 14-jährige Jakob Matthäi und den 12-jährige Leon Chris Ehrig trainiert er seit mehreren Jahren. Sie sind clever am Brett. Inzwischen nehmen sie es locker mit viel älteren Schachspielern auf. Die beiden durften jetzt sogar in Israel dem Denksport frönen.

Die beiden Talente hatte Wünsch unter anderem aus seiner Ganztagsbetreuung an der Grundschule in Langenberg herausgefischt. Eine kleine Gruppe trainiert einmal pro Woche in der Küche der Familie Wünsch. Die zusätzliche Förderung hat sich schon x-fach ausgezahlt. Die Wünsch-Truppe verbucht reihenweise Turniersiege und Einzeltitel. Im Oktober traten auch Leon Chris und Jakob bei einem Turnier in Chemnitz an. Vierermannschaften mit je zwei Kindern und zwei Erwachsenen gingen ans Brett. Dort waren auch Gäste aus Israel am Start. Sie stellten den beiden besten deutschen Spielern des Turniers eine Einladung nach Israel in Aussicht. Für Leon Chris stand fest: "Ich will die Reise unbedingt gewinnen." Was gibt es Besseres, als sich mit dem Schachspiel Reisen in die weite Welt zu erkämpfen? Jakob war da eher skeptisch: "Ich habe nicht so recht daran geglaubt."

Dann fegten die beiden alles vom Brett und ließen die Konkurrenz hinter sich. Egmund Elschner von der jüdischen Gemeinde in Chemnitz, der das Turnier eingefädelt hatte, stand vor einem Problem. Wer begleitet die Kinder als Erwachsener nach Israel? Meister-Macher Ulrich Wünsch ärgert sich noch immer: "Schade, dass ich nicht mitfahren konnte." Jakob Matthäis Schwester Laura, gelernte Krankenschwester, bekam kurzfristig Urlaub und übernahm die Verantwortung für die Burschen. Von Prag ging es per Flug nach Tel Aviv. "Dort hat uns Anatoli Greenfield, der aus Sibirien stammt und selbst Schachspieler ist, in Empfang genommen", erzählt Jakob. Ihn kannten sie bereits von früheren Begegnungen in Deutschland. "Schon im Zug nach Haifa haben wir ein bisschen Schach gespielt."

Mehr als witzig fanden die Jungen, dass es dort für die Hotelzimmer keine Schlüssel oder Karten gibt. "Wir bekamen nach der Buchung einen Code aufs Handy. Handy ranhalten, Tür auf, fertig. Wir hatten das Appartement Nummer 1926", weiß Leon Chris noch sehr genau.

Mehrmals pendelten die deutschen Gäste zwischen Haifa und anderen Orten, wo Schachturniere anstanden. "Wir haben aber auch etwas vom Land gesehen", sagt Leon Chris Ehrig. Rafi Wertheim, der in Deutschland promovierte und jetzt als Professor an der Uni in Israel arbeitet, zeigte den Jungen Haifa. Sie erlebten die Bräuche eines jüdischen Festes mit, wo alle Festgäste nach altem Bruch sieben Runden um die Tora tanzen. "Die Musik ist dort zwar eher klassisch, aber viel fröhlicher. Und die Leute sind irgendwie viel netter als hier", nimmt Leon kein Blatt vor den Mund. "Es war eine spannende Woche. Wir waren auch am Meer, haben den Strand und das warme Wasser genossen", erinnert sich Jakob. Sie erlebten das Flair eines Carmel-Marktes, wo es hauptsächlich Obst und Gemüse zu kaufen gibt. Auch vom Essen in der Woche waren sie vollauf begeistert. "Es gab unter anderem Schnitzel mit Hähnchen, Fladenbrot. Alles hat sehr gut geschmeckt", ergänzt er und lobt ausdrücklich die Gastfreundschaft. "Wir durften nie unser Essen selbst bezahlen, da wären sie sauer gewesen."

Für Leon Chris war die Schach-Reise doppelt spannend, denn es war der allererste Flug seine Lebens. Beide erlebten zum ersten Mal ein Land außerhalb Europas. Und sie sind sich einig: Israel ist eine ganz andere Welt. Von der wollen beide noch viel mehr kennenlernen. Leon Chris hat bereits einen Plan. "Irgendwann möchte ich mal nach Uruguay." Er hätte nichts dagegen, zum Schachspielen eingeladen zu werden.

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