Schlumpfhausen feiert 40. Geburtstag

Seit 1979 kümmern sich die Erzieherinnen der Hohenstein-Ernstthaler Kita um Kinder der Stadt. Die Geschichte der Einrichtung ist fast so etwas wie ein Spiegel der Zeit.

Hohenstein-Ernstthal.

"Sag mal wo kommt ihr denn her? Aus Schlumpfhausen bitte sehr!" Laut und fröhlich singen 23 Kinder der Kindertagesstätte Schlumpfhausen in Hohenstein-Ernstthal ihr Lied. Sie tragen weiße Hüte und blaue Shirts, so wie auch die "echten" Schlümpfe.

Die Kita Schlumpfhausen hat am Montag ihr 40-jähriges Bestehen gefeiert. OB Lars Kluge (CDU) und weitere Mitarbeiter der Stadt machten als Ehrengäste den Kindern und Erziehern ihre Aufwartung. Mittlerweile werden 118 Kinder in der Kita samt zugehöriger Krippe betreut, im Nachbarhaus bietet der Hort 115 Grundschülern Platz.

Unterstützung bei ihrem Lied bekommen die singenden Schlümpfe von Marianne Steinert (63). Sie ist die Leiterin der Kita. Mit im Publikum sitzt auch Erzieherin Hannelore Pönisch (62). Sie war schon am 17. Juni 1979 dabei, bei der feierlichen Eröffnung des Hauses, das damals noch "Kombinierte Kindereinrichtung" hieß. Nach einem weiteren Lied spazieren die Gratulanten gemeinsam mit den Kindern nach draußen, Steinert und Pönisch haben Zeit für ein kurzes Gespräch.

Gegründet wurde der Kindergarten zur DDR-Zeit. Wie muss man sich die Arbeit darin, Ende der 70er, vorstellen? Hannelore Pönisch, die alle "Hanni" nennen, überlegt. "Damals war alles vorgegeben", sagt sie dann. Marianne Steinert nickt. Auch sie hat seit 1975 als Erzieherin gearbeitet, bevor ihr 1990 die Leitung der Kita angeboten wurde. Mit drei Jahren mussten Kinder sauber sein, mit vier ihr Besteck halten können. Dass sie diese Lernziele für "Sozialistische Persönlichkeiten" nicht erreichten, war fast ausgeschlossen. "Es war eine strenge Erziehung, viel autoritärer als heute", so Pönisch weiter. Erst der Staat, denn der Mensch.

Die Wendezeit brachte nicht nur den neuen Namen - Schlumpfhausen - mit sich, sondern auch einen Wandel der Erziehungskonzepte. "Diese Veränderung haben wir Stück für Stück gestaltet", sagt Marianne Steinert. Der große Unterschied zur DDR: "Heute steht das Kind im Zentrum - nicht die Ziele, die es zu erfüllen hat." Das bedeute jedoch nicht, dass nun ein antiautoritärer Stil gepflegt werde. "Wir haben einen guten Mittelweg gefunden", sagt Steinert und blickt zu Pönisch. Diese nickt. "Wir können zufrieden sein mit dem, was wir geschafft haben."

Zwischen der Nachwendezeit und der Gegenwart lag noch ein schwieriges Kapitel für die Kita: Mitte der 90er-Jahre wurden nicht nur die Deutsche Bahn und die Telekom privatisiert, auch die Kita bekam einen neuen Träger. Steinert: "Das war nicht einfach." Es galt, überall zu sparen. Der Kollegenkreis verkleinerte sich, Steinert und Pönisch arbeiteten hart dafür, ihre Kinder dennoch so gut wie möglich zu betreuen. Seit 2013 gehört die Kita nun zur Arbeiterwohlfahrt, ein Glücksgriff für das Haus, wie die beiden finden. Doch auch in der Gegenwart gibt es Herausforderungen zu meistern.

"Manche Eltern haben wenig Vertrauen in uns als Erzieher, sie informieren sich sehr viel im Internet", sagt Marianne Steinert. Doch das führe oft zu Verunsicherung. Dazu komme die immer größer werdende Flut an Regeln und Auflagen, "Stichwort Datenschutz", ergänzt Pönisch, und der Mangel an Personal. "Bald gehen wir Älteren in die Rente", so Steinert. "Dann brauchen wir Nachwuchs." Sie hätten übrigens trotz der Herausforderungen einen der schönsten Berufe der Welt, sie bekämen viel Positives zurück. Mehr Zeit zum Erzählen bleibt nicht, die beiden müssen in die Turnhalle der benachbarten Karl-May-Schule. Dort feiern die Kinder das Jubiläum. Als sie aus dem Zimmer verschwinden, fallen Postkarten von Eltern auf, die an der Wand hängen. Oft steht darauf: "Dankeschön."

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