Schönburg: Forscher rücken zusammen

Ob Einzelkämpfer oder Verein, alle sind sich einig: Projekt- und Forschungsarbeit zur Schönburgischen Geschichte muss besser vernetzt werden. Am Ende sprachen sie noch eine Empfehlung aus.

Waldenburg.

Am Ende nur zufriedene Gesichter: Über gut drei Stunden hinweg haben sich am Samstag mehr als 40 Ortschronisten und Vertreter von Vereinen der Region über bisherige und aktuelle Forschungen zur Schönburgischen Geschichte ausgetauscht. Es war eine Premiere. Denn bisher hatte es ein solches großes Treffen nicht gegeben.

Daher sprach Initiator Patrick Bochmann von einem Kennlerntreffen. Mehr sei nicht zu schaffen. "Es geht darum, ins Gespräch zu kommen. Denn das ist Teil jeder wissenschaftlichen Arbeit", sagte der Chef des Geschichtsvereins Lichtenstein, der das Stelldichein der Heimatforscher mit dem Geschichtsverein der Töpferstadt auf die Beine stellte. Dessen Vorsitzende Alexandra Thümmler, die sich auf die Schönburgische Geschichte des 18. Jahrhunderts spezialisiert hat, hofft auf eine effektivere sowie auf Synergien beruhende Zusammenarbeit aller Akteure, die ihrer Auffassung nach im Internetzeitalter viele Chancen bietet.

Das sahen die Anwesenden nicht anders, die sich bereits während der Vorstellungsrunde im Schloss Waldenburg für weitere Treffen aussprachen. Den Vereinschefs Bochmann und Thümmler zufolge sollte ein solches Treffen künftig mindestens einmal jährlich stattfinden. Doch das ist nicht das einzige Ergebnis dieser Veranstaltung: "Wir brauchen ein zentrale Instanz, wo wir die Projekte und deren Forschungsergebnisse der Ortschronisten und Vereine der Region auflisten können", sagt die 39-Jährige. Wo und wie diese Datenbank entstehen soll, darüber könnte auf einer der nächsten Treffen diskutiert werden.

Raymond Plache, Leiter des Chemnitzer Staatsarchivs, machte Mut: "Geschichte ist immer Aktion", sagte er. "Sie müssen sich bei der heimatgeschichtlichen Forschung immer die Frage stellen, wer war zu der Zeit für die jeweilige Sache zuständig?" Dem konnte Britta Günther, die sich seit mehr als 20 Jahren intensiv mit der Schönburgischen Geschichte beschäftigt, beipflichten. Die Archivarin hatte die Bestände zum Adelsgeschlecht nach archivwissenschaftlichen Gesichtspunkten bearbeitet. "Ein Teil davon steht auch online", sagte Günther. Somit bringt es die Hauptüberlieferung zur Geschichte des Adelsgeschlechts auf mehr als 50.000 Akten.

Auch Robby Joachim Götze, der im Glauchauer Museum tätig ist, will beim nächsten Treffen wieder dabei sein: "Ob Ortschronist oder Wissenschaftler, alle setzen auf eine bessere Vernetzung", sagte der Museologe. Am Ende hatten die Teilnehmer noch eine Botschaft: Da weiterhin nur wenige Urlauber wüssten, dass diese Gegend dem Gebiet der einstigen Schönburgischen Herrschaften zuzuordnen ist, sollte diese Region auch unter diesem Namen touristisch vermarktet werden. "Dabei wollen wir gern helfen", versprach Vereinschefin Thümmler.


Nachwuchsarbeit wichtig

Patrick Bochmann, Vorsitzender des Geschichtsvereins Lichtenstein: "Wichtig ist, dass die Geschichtsvereine mehr als bisher ins Gespräch kommen, sich über ihre Projekte austauschen", sagte der 40-jährige Mediziner, der zudem als Ortschronist unterwegs ist. Laut Bochmann hat der Verein seit der Wende 161 Vorträge und mit dem Museum der Stadt 13 Ausstellungen organisiert. Zwar zählt der Verein 42 Mitglieder, das Durchschnittsalter liegt aber bei 67 Jahren. "Wie andere Vereine auch müssen wir viel Kraft in die Nachwuchsarbeit stecken", so Bochmann. "Es geht darum, den Sachsen die Schönburgische Geschichte nahezubringen." (jwa)


Projekt: "Schönburg-History"

Alexandra Thümmler, Chefin des Waldenburger Geschichtsvereins: "Wir dürfen uns bei der Forschung zur Schönburgischen Geschichte nicht nur auf Sekundärliteratur verlassen", sagte die 39-Jährige. Sie und ihre Mitstreiter sind vor Kurzem zum Sieger des Ideenwettbewerbs "Starke Vereine für ländliche Räume" der Förderregion "Schönburger Land" gekürt worden. Mit dem Projekt "Schönburg-History" sollen die Geschichte der Schönburgischen Herrschaften einem breiteren Publikum zugänglich gemacht und junge Leute für die Mitarbeit im Verein begeistert werden. Ziel sind Kurzfilme, die die Regionalgeschichte lebendig machen. (jwa)

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