Schon als Kind wusste er: Ich will Schumann-Forscher werden

Da ist Musik drin - Westsachsen, wie es singt und klingt. Heute: Thomas Synofzik, Direktor des Robert-Schumann-Hauses in Zwickau.

Zwickau.

Es gibt Geschichten, die könnte man sich nicht besser ausdenken. Der Lebenslauf von Thomas Synofzik ist so eine.

Der 51-Jährige leitet seit 13 Jahren das Robert-Schumann-Haus in Zwickau. Zufall ist das nicht, Thomas Synofzik hat bereits als Kind den Entschluss gefasst: Ich will Schumann-Forscher werden.

Moment mal. Schumann-Forscher als Traumberuf eines kleinen Jungen? Thomas Synofzik grinst und sagt: "Ja. Eine Freundin meiner Mutter hatte mir damals eine Platte geschenkt, darauf waren auch Kinderstücke von Schumann." So schnell geht's. Der Sohn eines Zahnradfabrikanten, Spross einer unmusikalischen Familie, entdeckt seine Leidenschaft. Musik im Allgemeinen, Schumann im Speziellen. Im Alter von neun Jahren liest er eine Biografie über Clara Schumann, ein Buch für Kinder. Er saugt alles auf, das irgendwie mit Schumann zu tun hat.

In der Konsequenz studiert Thomas Synofzik Musikwissenschaften und historische Tasteninstrumente in Köln und Brüssel. Schon früh lugt der gebürtige Dortmunder nach Zwickau, in die Geburtsstadt des Komponisten und Musikers, über die Grenze, hinein in ein anderes politisches System, und glaubt: Dort werde ich niemals arbeiten können. Zwar besucht Thomas Synofzik im Jahr 1983 zum ersten Mal Sachsen, er reist nach Leipzig. Doch sein Wunsch, an den Wirkungsstätten Schumanns forschen und arbeiten zu können, geht erst nach der Wende in Erfüllung.

1994 besucht er Zwickau. "Zwickau ist die erste Adresse zum Thema Schumann. Hier blüht die Forschung, hier liegen die Originale, hier gibt es die größte Sammlung", sagt er. Immer wieder kommt er damals in die Stadt, sieht, wie sie sich entwickelt. "Mit jedem Besuch hatte die Stadt wieder einen Sprung gemacht, sich wieder wahnsinnig weiterentwickelt, das hat mich beeindruckt."

Als vor genau 13 Jahren die Stelle des Direktors am Robert-Schumann-Haus ausgeschrieben ist, zögert Thomas Synofzik keine Sekunde. "Es war ein Glücksgriff, den ich mir kaum hatte vorstellen können", sagt er heute.

Und Zwickau sollte dem Musikwissenschaftler noch mehr Glück bringen. Er - der gebürtige Dortmunder - lernt in Zwickau seine heutige Ehefrau Katrin Synofzik kennen, mit der er drei Kinder im Alter von acht, neun und elf Jahren hat. Seine Frau, wieder so ein Zufall, ist auch Dortmunderin. Die Juristin kam zum Referendariat nach Sachsen, in die Partnerstadt ihrer Heimatstadt. "Wir sind überzeugte Wahl-Zwickauer", sagt Thomas Synofzik. Seine Familie engagiert sich im gesellschaftlichen Leben, in der Kirchgemeinde.

Seine drei Kinder, zwei Töchter und ein Sohn, sind allesamt musikalisch. Die Töchter spielen Klavier, der Sohn singt und bläst die Trompete. Klar, das freut den Vater. Aber er sagt auch: "Meine Kinder sollen ihren eigenen Weg gehen. Wenn sie sich irgendwann von der Musik abwenden, akzeptiere ich das."

Robert Schumann und Clara Wieck, später Clara Schumann, waren den Zwängen der Eltern ausgesetzt. Beide zogen sogar vor Gericht, um sich ihre Ehe zu erstreiten. Clara Wiecks Vater erschwerte seiner Tochter und ihrem Geliebten das Leben. Für Thomas Synofzik ist diese Geschichte wichtig: "Clara und Robert Schumann sind ihren eigenen Weg gegangen, und es war richtig."

Im Leben möchte Thomas Synofzik seinen Kindern nicht im Wege stehen. Sein Vorbild: der eigene Vater. Der unmusikalische Zahnradfabrikant, dessen Sohn mit der ungewöhnlichen Schumann-Liebe einen seltsam zielstrebigen Lebensweg in Richtung Zwickau genommen hat.

Und der nicht wieder wegwill.


Sieben Fragen an Thomas Synofzik

Welches ist Ihr Lieblingslied?

"Widmung" von Robert Schumann, es ist das Hochzeitslied für Clara.

Was war Ihr schlimmstes Konzert?

2006 gab Annerose Schmidt bei uns ihr wohl letztes Konzert. Sie hatte 1956 den Schumann-Wettbewerb gewonnen, und war noch immer technisch brillant. Nur spielte sie auswendig und geriet mehrfach in Schleifen, sodass sie nicht zum Ende fand. Nach zweieinhalb Stunden musste jemand auf die Bühne gehen und sie bitten, aufzuhören. Das war schlimm.

Welche Musik können Sie überhaupt nicht leiden?

Italienische Oper des 19. Jahrhunderts. Das ist für mich möglichst hohes, starres Rumgesinge.

Welchen Musiker würden Sie gerne wiederbeleben?

Glenn Gould, den kanadischen Pianisten, Komponisten und Musikautor. Er ist vor allem für seine Bach-Aufnahmen bekannt.

Welches Lied würden Sie verbieten?

Sofern sie nicht schon verboten sind, würde ich Neonazi-Lieder verbieten.

Dirigieren Sie heimlich vor der Stereoanlage?

Nein, ich mache lieber richtig Musik.

Welches Instrument ist das schwierigste?

Jedes Instrument hat Tücken. Ich bewundere meinen Sohn aber für sein Trompetenspiel, das könnte ich nicht.

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