Semesterbeihilfe: Geld soll Wegzug junger Leute stoppen

Eine Stadtratsfraktion in Hohenstein-Ernstthal will den Betrag jetzt sogar erhöhen. Auch der Bürgermeister von Meerane steht höheren Ausgaben für diesen Zweck offen gegenüber.

Hohenstein-Ernstthal.

Viele Städte schrumpfen. Hohenstein-Ernstthal zum Beispiel hatte im Jahre 1998 noch 17.456 Einwohner. Heute hat die Stadt längst die Marke von 15.000 unterschritten. Doch nicht nur das. Der Anteil der älteren Menschen wächst. Inzwischen liegt das Durchschnittsalter in der Karl-May-Stadt bei 50. Vor ein paar Jahren lag es noch deutlich drunter. Junge Menschen verlassen die Stadt.

Doch viele Kommunen steuern dagegen. Hohenstein-Ernstthal zahlt seit 2006 eine sogenannte kommunale Semesterbeihilfe: Mit der sollen Studenten aus Hohenstein-Ernstthal animiert werden, ihren Hauptwohnsitz in der Stadt zu behalten. Seit 2014 bekommen sie 70 Euro je Semester. Die Linksfraktion will zur nächsten Stadtratssitzung einen Antrag stellen, den Betrag auf 100 Euro zu erhöhen. Fraktionschef Alexander Weiß: "Die Lebenshaltungskosten, aber auch die Semesterbeiträge der Universitäten sind gestiegen. Deshalb ist eine Erhöhung gerechtfertigt." 100 Hohenstein-Ernstthaler Studenten nehmen jährlich die kommunale Beihilfe in Anspruch. "Das mag auf den ersten Blick nicht viel klingen. Aber das sind eben 100 junge Leute, die in der Stadt wohnen bleiben", so Weiß weiter. Da müsse auch weiterhin alles getan werden.

Auch in Meerane gibt es diese Beihilfe für Studierende, die ihren ersten Wohnsitz in Meerane haben. Sie beträgt 30 Euro pro Semester und wird von gut 20 Heranwachsenden in Anspruch genommen. "Wir praktizieren das schon seit 2011. Um die finanzielle Unterstützung zu erhalten, muss wie anderswo auch ein Antrag gesellt werden", erklärt Rathauschef Lothar Ungerer (parteilos). So stehen dafür im städtischen Haushalt jährlich 2000 Euro zur Verfügung, die bisher aber nicht ausgeschöpft wurden. Der Bürgermeister steht einer Erhöhung der Beihilfe durchaus offen gegenüber. Das müsste aber mit den Stadträten noch diskutiert werden. Denn auch Meerane schrumpft weiter, will junge Menschen an die Kommune binden. "Der Demografie-Wandel macht auch um Meerane keine Bogen", so Ungerer. Gegenwärtig zählt die Stadt knapp 14.320 Einwohner. Für 2030 geht die Verwaltung von 12.900 Einwohnern aus.

Die Stadt Glauchau versucht, mit einer Umzugsbeihilfe Studenten und Lehrlinge anzulocken, die in der Stadt ihre Ausbildung absolvieren. Allein an der Staatlichen Studienakademie in Glauchau studieren um die 1000 Leute. Im Januar 2019 trat die Richtlinie für die Umzugsbeihilfe in Kraft. Jeder Student oder Auszubildende, der wegen der Ausbildung nach Glauchau zieht, kann, nachdem er mindestens ein Jahr seinen Hauptwohnsitz durchgängig in Glauchau hat, den einmaligen finanziellen Zuschuss in Höhe von 150 Euro beantragen. Doch das Angebot wird bislang so gut wie nicht angenommen. Bisher liegt nach Angaben der Glauchauer Stadtverwaltung gerade mal ein Antrag auf Umzugsbeihilfe vor, der werde momentan bearbeitet. Die Einführung der Umzugsbeihilfe war vom Glauchauer Stadtrat Anfang 2018 beschlossen worden. Daraufhin wurde die Richtlinie erarbeitet und von der Stadträten bestätigt.

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