Serelman-Biografie wird vorgestellt

Nun hat es doch geklappt. Konstantin Seifert wird aus seinem Buch über den jüdischen Niederlungwitzer Arzt in einer Veranstaltung in Glauchau lesen. Das Datum ist bewusst gewählt.

Glauchau.

Es war die "New York Times" vom 20. Oktober 1935. Darin fand Konstantin Seifert einen Bericht über den jüdischen Arzt Hans Serelman, der, weil er im Jahr 1934 einer Patientin sein Eigenblut spendete, wegen Rassenschande ins KZ kam. Für den in Glauchau aufgewachsenen Seifert war dies der Beginn einer spannenden Forschung über den Mediziner, der von 1930 bis 1935 in Niederlungwitz wirkte. Heute, 83 Jahre später, hat Konstantin Seifert ein Buch vorgelegt, das die bisherigen Ergebnisse zusammenfasst: Serelman als Arzt, als Kommunist, als Interbrigadist und als Mitglied der französischen Widerstandsbewegung. Und dieses Buch wird er am 19. Oktober in Glauchau vorstellen.

Nachdem er es im Frühjahr zur Leipziger Buchmesse präsentierte, reifte in Glauchau die Idee, eine Lesung zu organisieren, denn das Schicksal des jüdischen Arztes begann in Niederlungwitz. Erste Absprachen mit der Bibliotheksleiterin Kirstin Petermann hat es bereits gegeben. "Wir machen das im Konzertsaal des Schlosses", sagt Petermann. Im Bestand der Bibliothek ist dieses Buch ebenfalls, allerdings derzeit verliehen.

Mehrere Jahre forschte Konstantin Seifert, fand Dokumente, Fotos, Akten und weitere Quellen in 40 Archiven von Moskau bis Boston, machte Nachkommen ausfindig, lud sie sogar nach Niederlungwitz ein. Mühsam setzte er die Puzzleteile, die er hatte, zusammen. Herausgekommen ist eine facettenreiche Biografie, die nun im Verlag jüdischer Zeitgeschichte Hentrich & Hentrich erschienen ist. "Aber noch nicht alle Fragen aus dem Leben Serelmans sind beantwortet", sagt Seifert, der über Erzählungen seines Vaters auf den Namen des jüdischen Arztes in Niederlungwitz stieß.

Serleman sei im Dorf sehr beliebt gewesen. Eines Nachts im Jahr 1934 wurde er zu einer Geburt ins Nachbardorf St. Egidien gerufen. Die Gebärende hatte bereits viel Blut verloren. Hans Serelman entschloss sich, sein Blut zu übertragen, um das Leben der Frau zu retten. Doch sie starb an der angewachsenen Nachgeburt und an Verblutung. Diese Blutspende brachte ihm eine Haft im Konzentrationslager Sachsenburg ein.

Nach sieben Monaten wurde der Arzt wieder freigelassen und in Niederlungwitz herzlich begrüßt. Doch er befürchtete weitere Verfolgung und floh über Wien nach Spanien, wo er sich den Internationalen Brigaden im Kampf gegen das Franco-Regime anschloss. Dort geriet er in Gefangenschaft, konnte aber nach Frankreich fliehen. Bei einem Feuergefecht einer südfranzösischen Widerstandsgruppe mit Nazi-Einheiten wurde Serelman am 19. Juni 1944 getötet. In Oloron-Sainte-Marie befindet sich sein Grab. 2012 reiste Konstantin Seifert dort hin und legte auf dem Grab einen Stein aus dem Lungwitzbach mit der Aufschrift "Hans Serelman, Niederlungwitz von 1930 bis 1935, unvergessen, 1. August 2012" nieder.

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