Skaterbahn: Zoff um Lärmschutz

Die Skateboardanlage an der Callenberger Nordstraße soll eine 100.000Euro teure Lärmschutzwand bekommen. Das Landratsamt macht deswegen Druck.

Callenberg.

Der Vergabebeschluss zum Bau einer Lärmschutzwand für die Skateboardanlage an der Callenberger Nordstraße - Kostenpunkt 100.000 Euro - hat zur jüngsten Gemeinderatssitzung noch einmal eine heftige Debatte ausgelöst. Anlass war eine Anhörung im Landratsamt, bei der die Behörde angekündigt hatte, möglicherweise die Benutzung der Anlage zu untersagen. Seit Inbetriebnahme laufen die Anwohner Sturm. Die Lärm-Messdaten übersteigen die zulässigen Werte deutlich.

Die Geschichte ist vertrackt. Junge Leute aus der Gemeinde ergriffen vor Jahren die Initiative zum Bau eines Bike- und Skateparks und ließen nicht locker. Die Gemeinde zog im Jahr 2015 endlich mit, fand neben dem Fußballplatz an der Nordstraße nahe der Wohnbebauung den scheinbar geeigneten Standort und ließ sich die Jugendfreizeiteinrichtung mehr als 130.000 Euro kosten. Sogar der damalige Ministerpräsident Stanislaw Tillich reiste im Sommer 2017 zur Eröffnung an.

Danach das böse Erwachen. Der Lärm, den die Rollen der Skateboards auf den hölzernen Böden der Halfpipe verursachen, zerrt an den Nerven der Anwohner. Die Begrenzung der Nutzungszeiten durch die Gemeindeverwaltung löst das Problem nicht. In Zugzwang gebracht, will die Gemeinde jetzt eine Lärmschutzwand bauen. Die Gemeinderäte sehen sich vom Landratsamt unter Druck gesetzt. Gemeinderat Heinz Prüstel (CDU): "Ich sehe keine Alternative. Wegreißen oder zustimmen, und für die Lärmschutzwand viel Geld ausgeben", sagt er. Thomas Kretzschmar (Unabhängige Bürgerbewegung) versichert: "Wenn wir nicht zustimmen, dann hätten wir viel Geld verbrannt." Fakt ist: Bei einem Nein käme das Nutzungsverbot des Landratsamtes. Die Anlage müsste nicht nur teuer weggerissen werden, die Gemeinde müsste auch den Fördermittelanteil zurückzahlen. "Wir sollten bei dem Beschluss auch das Engagement der Jugendlichen würdigen. Wir hätten das ganze Problem abbiegen können. Aber hinterher ist man immer schlauer", sagt Peter Reichel (Die Linke). Was er damit meint? Man hätte die Skateboardanlage dorthin setzen müssen, wo sich die Dirtbikeanlage befindet, also weiter weg von der Wohnbebauung. Die betonierte Grundplatte der Skateboardanlage lässt sich nun allerdings für einen Flächentausch nicht mehr verschieben. "Das hätte uns der Planer eigentlich sagen müssen. Hätte der uns etwas von einer Lärmschutzwand erzählt, dann hätten wir gleich einen anderen Standort gesucht", schimpft Gemeinderat Frank Haupt (CDU). Er stimme nur zu, wenn der Planer zur Kasse gebeten wird, so Haupt.

Der Beschluss zum Bau der Lärmschutzwand ging trotzdem mehrheitlich durch. Allerdings zweifelt Sportvereinschef Stefan Molch, dass mit der Wand das Lärmproblem zur Zufriedenheit aller gelöst ist. Wenn die zulässigen Werte unterschritten würden, sei die Gemeinde zumindest erst einmal juristisch abgesichert, hieß es. Offen ist auch, wie das Landratsamt auf den Beschluss reagiert. Dort hatte man sich eine Sperrung bis zum Bau der Wand noch vorbehalten. Wie sich die Behörde entschieden hat, war bis gestern nicht zu erfahren.

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