Smartphone gegen Sklaverei

Jonathan Schöps aus Zwickau sorgte mit einer ungewöhnlichen Kampagne für Aufsehen. Er hat mehrere Internetportale im wahrsten Sinne des Wortes gelinkt.

Zwickau.

Kaum einer kommt noch ohne sie aus: Smartphones. Doch die wenigsten Menschen wissen, unter welchen Bedingungen die Geräte teilweise hergestellt werden. Auf die besorgniserregenden Zustände hat jetzt ein Zwickauer in seiner Uni-Abschlussarbeit aufmerksam gemacht - und damit tausende Menschen erreicht.

Jonathan Schöps war bewegt, als er vor Jahren erfuhr, dass es immer noch Menschen gibt, die wie Sklaven arbeiten. Das Thema ließ ihn nicht wieder los, erzählt der 26-Jährige in einem Zwickauer Café. Gerade ist er auf Besuch in seiner Heimatstadt. Sonst lebt er in Erfurt, wo er neben dem Studium als selbstständiger Grafikdesigner arbeitet.

Schöps studiert an der Bauhausuniversität in Weimar Visuelle Kommunikation. Seine Masterarbeit sollte nicht nur grafisch top sein, sondern auch einen Zweck erfüllen. So entstand die Idee von der "Phonest"-Kampagne. Nach einem Jahr Vorbereitung ging sie im Juli online: Auf einer Website und bei Facebook kündigte Schöps an, dass er ein Startup gegründet habe, um ein besonderes Smartphone auf den Markt zu bringen. "Phonest" - wie Phone und honest, also Telefon und ehrlich - sollte es heißen und 100Prozent transparent sein. Er wollte komplett offen legen, wie das Gerät entstanden ist. Weitere Details sollten am 11. August, 18 Uhr, auf der Website veröffentlicht werden.

Im Internet begannen die Spekulationen, wie das Smartphone aussehen könnte. Journalisten baten um nähere Informationen. Schließlich gab Jonathan Schöps eine Pressemitteilung mit dem Link zu seiner Seite heraus. Sie war mit Sperrfrist versehen: Erst am 11. August durfte sie veröffentlich werden. Technikportale berichteten über das 100 Prozent transparente Smartphone - zum Teil jedoch ohne am 11. August noch einmal zu prüfen, ob Schöps auf seiner Website wirklich Näheres zum Gerät erläuterte. Das tat er nämlich nicht. Denn das Smartphone ist reine Fantasie, ebenso wie sein Unternehmen. Stattdessen hatte der Student auf seiner Website ein Video veröffentlicht, das auf die schlimmen Produktionsbedingungen hinweist. Weltweit gebe es noch Millionen Menschen, die wie Sklaven leben und arbeiten müssen, sagt Schöps. Sie stellen nicht nur technische Geräte her, sondern auch Hosen, Jacken oder Nahrungsmittel.

So entpuppte sich die Ankündigung eines neuen Smartphones schließlich als Kampagne, die auf Sklaverei aufmerksam machen soll. Auch das Magazin "c'T" berichtete über die Aktion, ebenso das renommierte Internetportal heise.de, zu dem das Magazin gehört. Der verantwortliche Redakteur sei von Anfang an skeptisch gewesen, weshalb er am Stichtag noch einmal auf die Phonest-Website geschaut habe, erklärt Martin Holland von heise.de. Anders das Portal golem.de. Dort steht heute: "Das Phonest-Smartphone gibt es nicht ... Der ursprüngliche Artikel wurde entsprechend komplett umgeschrieben."

Viele Hilfsorganisationen setzten auf Mitleid, um Aufmerksamkeit zu erregen, hat Jonathan Schöps festgestellt. Er wollte die Menschen anders erreichen. Mit Erfolg: Das Video wurde knapp 11.000-mal geklickt, seine Website rund 37.000-mal aufgerufen. Etwa 40 Onlinemedien haben über sein Projekt berichtet. "Ich hätte nicht gedacht, dass das so groß wird", sagt Schöps heute.

Wie es weitergeht? Die Website bleibt bestehen. "Es ist wichtig, was jeder Einzelne tut", meint er. Ein Smartphone besitzt er übrigens nicht, sondern noch immer sein erstes und einziges Handy.

www.phonest.net

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