So kam der "Blitz" nach Grumbach

Eine eiserne Lady in Rot feiert beim Grumbacher Kiefernbergfest 80. Geburtstag. Der Lösch-Oldie überstand Krieg und Planwirtschaft.

Grumbach.

Wenn Jens Schubert ans Kiefernbergfest 2019 denkt, sieht er rot. Vor allem rot. Denn der Lösch-Oldie der Freiwilligen Feuerwehr Grumbach wird 80. Den Geburtstag ihres Schmuckstückes Marke Opel Blitz wollen die Floriansjünger zünftig feiern. Deshalb steht das Kiefernbergfest am 3. August auch unter dem Motto: "Alte Liebe rostet nicht - oder doch?"

Dass die alte Dame noch fast so fit ist wie damals, als sie im Jahr 1939 bei den Opel-Werken aus der Halle rollte, hat sie den Technik-Freaks der Grumbacher Wehr zu verdanken. Der Strumpffabrikant F. W. Robert aus den erzgebirgischen Auerbach hatte 1939 einen "Blitz", allerdings ohne Aufbauten, bei den Opel-Werken bestellt. Opel, im Zweiten Weltkrieg der bedeutendste Lkw-Produzent des Deutschen Reiches, lieferte das Fahrzeug an Karosseriebauer Franz Wieland in Gornsdorf, der dem Auto zur Karriere als Löschfahrzeug verhalf. Die Fahrzeugpapiere weisen den 1. Juli 1939 als Erstzulassungstag aus. Bis Kriegsende diente der "Blitz" der Betriebsfeuerwehr der Strumpffabrik Wieland. Der Opel überstand auch die Enteignung der Fabrik, die nun unter VEB Esda Strumpfwerke firmierte. Dort wurde es 1968 außer Dienst gestellt und von einem B1000 ersetzt.


Weil die Planwirtschaft auch Zahlen fürs Schrottaufkommen sozialistischer Betriebe vorgab, wurde dem guten Stück für 800 Mark der Weg in die Zwangsverschrottung verordnet. Hermann Schaarschmidt aus Langenchursdorf, damals Wirkungsbereichsgerätewart für das nördliche Gebiet des Kreises Hohenstein-Ernstthal, bekam Wind von dem Plan. Der Sicherheitsinspektor des Auerbacher Werkes, Herbert Hartwig, hatte ihm das gesteckt. Schaarschmidt wusste natürlich, dass der Grumbacher Lösch-Oldie, Marke Chevrolet, in miserablem Zustand war. Er half ein bisschen nach, dass der Blitz als Ersatz nach Grumbach kam Gemeinsam mit Wehrleiter Günter Schubert rückte er bei Bürgermeister Wilhelm Decke ein. Der stellte die 800 Mark Schrottpreis zur Verfügung.

Das war nicht die einzige Hürde. Fahrzeuge aus dem nichtsozialistischen Ausland durften nicht mehr zugelassen werden. Sogar die Abmeldung des Blitz gestaltete sich schwierig. Erst eine Vollmacht von Inspektor Hartwig machte es möglich, dass die Zulassungsstelle in Stollberg mitspielte. In Hohenstein-Ernstthal ging der Tanz noch einmal von vorn los. Hier legte sich vor allem Horst Fritzsche von der Leitung der Abteilung Feuerwehr des Kreises ins Zeug. Mit den 800 Mark in der Tasche fuhren dann Günter Schubert, der Abschnittsbevollmächtigte der Polizei (ABV), Wolfgang Müller und Hermann Schaarschmidt in die Esda-Kombinatsleitung nach Thalheim, wo der "Blitz" abgestellt war. Am 17. November 1968 - es war ein Sonntagvormittag - wurde das Gefährt feierlich übergeben. Das Feuerwehrfahrzeug kam in dem Jahr auch noch seine rote Lackierung, mit der die grüne Weltkriegs-Tarnfarbe verschwand. Das erledigten damals die Lackierer der Maschinen- und Traktorenstation (MTS) Hermsdorf. Klaus Schubert, einer der Feuerwehrkameraden, stellte die Elektrik 1971 von 6 auf 12 Volt um. 1975 bekam der Lösch-Oldie neue Reifen und zehn Jahre später noch einmal neuen Lack.

Was ihren Opel Blitz anbelangt, halten die Kameraden noch immer mit den vier Musketieren: Einer für alle, alle für einen. "Irgendwie ist er ja unser prächtiges Flaggschiff. Dafür lohnt es sich, eine Menge Geld, Fachwissen und Zeit zu investieren", sagt Jens Schubert.

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