Sparkasse Hohenstein: Am Anfang gab's vier Prozent Zinsen

1868 wurde die Sparkasse zu Hohenstein gegründet. Schon zwölf Jahre später knackten die Spareinlagen der Hohensteiner die Millionen-Marke.

Hohenstein-Ernstthal.

Sparkasse oder Sparstrumpf? Bis 1868 stellte sich die Frage gar nicht für die Hohensteiner. Heute, auf den Tag genau vor 150 Jahren, vertraute der erste Kunde sein Erspartes der "Sparkasse zu Hohenstein" an. Wer das Geld einzahlte und welchen Betrag, das findet sich möglicherweise irgendwo in einem verstaubten Bilanzbuch.

Bekannt ist aber, wer den Anstoß zur Gründung der Sparkasse gab. Der Stadtverordnete Kempe regte im Jahr 1858 das Einrichten einer Sparkasse an. Chemnitz hatte bereits seit 1839 eine solche. Die befand sich in der Turmstube des alten Chemnitzer Rathauses. In Hohenstein sollte die Kasse eigentlich am 2. Januar 1859 eröffnet werden, doch das Aufstellen eines Regulariums und die Genehmigung verzögerten das Vorhaben um Jahre. Erst am 17. November 1868 wurde das Regulativ veröffentlicht und der erste Einzahlungstag auf Montag, den 7. Dezember, festgelegt. Der damals festgelegte Zinssatz in Höhe von vier Prozent dürfte heute die Augen jedes Bankkunden zum Leuchten bringen. Ganze 3924 Mark kamen bis Jahresende an Spareinlagen zusammen. Im Folgejahr wuchs die Summe auf 37.338 Mark.

Bis Anfang 1884 öffnete die Kasse immer nur montags, wegen des steigenden Andrangs dann endlich an allen Wochentagen. Gleichzeitig trat eine Sparkassenordnung in Kraft. Die Einleger-Guthaben stiegen nun auf 1.518.004 Mark. Auf die Guthaben gab es nun aber nur noch 3,6 Prozent Zinsen. Ein Ausschuss, bestehend aus zwei Ratsmitgliedern, zwei Stadtverordneten und fünf Bürgern, wachte über die Kassengeschäfte und entschied über die Beleihungen. In den ersten Jahren hatte Bürgermeister Förster den Vorsitz. Ihm zur Seite standen Stadtrat Otto, Stadtverordneter Reinhard, Kaufmann Jakobi, Fabrikant Beyer jr., Schuhmachermeister Pöhlmann, Herr Vogel jr. und Seifensiedermeister Hößelbarth. Der erste Chef der Sparkasse war damals Hermann Schilling, der die Geschäfte bis 1. November 1879 leitete. Ein Teil des Reingewinns ging in einen Reservefonds. Ein Teil floss an die Stadt, die ihn für die Verschönerung der Stadt und gemeinnützige Zwecke einsetzte. Der Reservefonds sollte sich noch bezahlt machen, als die Kasse 1886/1887 Verluste im fünfstelligen Bereich abdecken musste.

Seit 1996 ist die Filiale Hohenstein-Ernstthal ein Teil der Sparkasse Chemnitz und gehört damit zu einem der führenden Universalkreditinstitute in Sachsen. Heute zählt die Sparkasse Chemnitz mehr als 250.000 Kunden. Im Geschäftsjahr 2017 betrug die Bilanzsumme der Sparkasse 4,3 Milliarden Euro. Wie aus der Sparkassenrangliste 2017 hervorgeht, belegt die Sparkasse Chemnitz heute gemessen an ihrer Bilanzsumme Rang 72 von 390 Sparkassen.


Auszüge aus der Chronik der Sparkasse zu Hohenstein

1868: Am 7. Dezember 1868 erfolgt die erste Einzahlung bei der Sparkasse zu Hohenstein.

1888: 20 Jahre nach Gründung beträgt das Einleger-Guthaben 2.140.000 Mark.

1893: Das Einleger-Guthaben liegt immer noch bei 2.610.000 Mark. Grund der Bilanz nach 25 Jahren: die Öffnungszeit. Die Kasse hat nur montags geöffnet. Zu dem Zeitpunkt hat die Stadt schon 82.700 Mark für gemeinnützige Zwecke gezahlt.

1898: Durch die Vereinigung von Hohenstein und Ernstthal steigt das Guthaben auf 4.686.167,61 Mark. Es gibt 12.250 Konten. Auch die Adresse ändert sich. Die Kasse befindet sich nun im Stadthaus.

1948: Die Sparguthaben in Reichsmark werden im Verhältnis 10:1 umgewertet.

1953: Die Umwertung erschüttert das Vertrauen der Kunden. Sparkassenmitarbeiter leisten an Arbeitsplätzen in Betrieben und am Schalter viel Überzeugungsarbeit.

1957: Am 13. Oktober findet der Banknotenumtausch statt. Die Hohenstein-Ernstthaler tauschen im Schnitt 300 DM um.

1958: Der Spareinlage-Plan wird mit 110,4 Prozent erfüllt. Die Einlagen steigen auf 9.281.000 DM.

1964: Die Sparkasse setzt das Projekt Buchungszentrum um.

1968: Die Sparkasse stellt auf Einmannbedienung um, damit sich die Wartezeiten der Kunden verkürzen.

1972: Die Konten in der Kreissparkasse werden auf EDV umgestellt.

1982: Die Spareinlagen steigen auf 408.759.000 Mark.

1990: Die Kasse stellt auf die Deutsche Mark um.

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