Sportplatz: Nachbar verklagt die Stadt

Fast vier Jahre ist es her, dass die Stadt Hohenstein-Ernstthal den Sportplatz in Wüstenbrand erneuert hat. Doch nun beschäftigt das Thema das Rathaus erneut. Ein Anwohner klagt gegen die Baugenehmigung.

Wüstenbrand.

Eigentlich sollte das Thema nicht an die Öffentlichkeit dringen. Doch der Hohenstein-Ernstthaler Stadtrat Steven Heinzig (Pro Hot) stellte bei der jüngsten Sitzung des Stadtrates die Anfrage: "Stimmt es, dass wegen des Sportplatzes in Wüstenbrand eine Klage gegen die Stadt vorliegt?" Die Antwort von Oberbürgermeister Lars Kluge (CDU) im Stadtrat fiel knapp aus: Ja. Es geht um die Baugenehmigung, die die Stadt 2015 erteilt hat. Was steckt hinter der Klage?

Der Nachbar, der die Klage erhebt, sagt im Gespräch mit der "Freien Presse": "Ich will nur wissen, ob die Baugenehmigung ordentlich erteilt worden ist oder nicht. Ganz nüchtern und trocken." Daran habe er Zweifel - und deswegen beschreite er den mühsamen Klageweg. Übrigens nicht so plötzlich, wie es scheint: Schon 2015 hat er seine Bedenken vorgetragen und ist gegen die Baugenehmigung in Widerspruch gegangen.

Der Sportplatz in Wüstenbrand wird von Fußballern bespielt. Aber nicht nur. Die Diesterweggrundschule aus Wüstenbrand zum Beispiel nutzt den Platz für Schulsport. Die Stadt als Eigentümerin des Platzes hat die Hoheit darüber, was wann auf dem Platz stattfinden darf.

Den Platz in Wüstenbrand gibt es schon lang. "Schon immer, also immer immer", so beschreibt es Oberbürgermeister Kluge. 2015 hat die Stadt den Platz umfangreich saniert, einen neuen Kunstrasen verlegt und Flutlicht installiert. Für ziemlich viel Geld: 665.000 Euro kostete die Sanierung laut Stadt. "Es war ein großer Erfolg für uns, dass wir dafür auch Fördermittel bekommen haben. Darum haben wir viel gekämpft", sagt Kluge. Den Kläger macht diese Zahl skeptisch. Er frage sich, ob bei der Summe und Bauzeit, die sich immerhin über ein halbes Jahr erstreckt hat, überhaupt noch von einer Sanierung gesprochen werden könne. Oder ob es sich nicht viel mehr um einen Umbau handelt, der einem Neubau entspricht. Deswegen wolle er auch prüfen lassen, ob die Stadt 2015 alle vorgeschriebenen Gutachten hat anfertigen lassen. Zum Beispiel beim Thema Lärm: Aus dem Umweltamt des Landratsamtes Zwickau war zu erfahren, dass 2015 die untere Immissionsschutzbehörde ausschließlich um Prüfung der vorgelegten Lichtimmissionsprognose gebeten wurde. Erst 2017 wurde dem Landratsamt ein Lärmgutachten - offiziell heißt das Schallimmissionsgutachten - zur Prüfung vorgelegt. Auslöser dafür war der Widerspruch, den der Kläger damals eingelegt hatte.

Jens Cornils ist Vorsitzender des Sportvereins in Wüstenbrand, seine Sportler nutzen den Platz. "Uns als Verein geht die Klage erst mal gar nichts an", sagt er. Schließlich richte sie sich nicht gegen die Nutzer, sondern gegen die Stadt Hohenstein-Ernstthal als Eigentümerin. "Und so lange es kein Urteil gibt, werden wir auch unser Nutzungsverhalten nicht ändern", sagt er. Er kennt den Kläger, der anonym bleiben möchte. "Wir haben kein Problem mit ihm. Er reicht uns die Bälle rüber, die bei ihm landen", sagt Cornils. Was den Kläger genau störe, das könne er nicht nachvollziehen, sagt Cornils. "Der Verein war schon immer da, und ich kann mir nicht vorstellen, dass der Lärm ein großes Problem ist", sagt er. Genau das sagt Oberbürgermeister Kluge über die Motivation des Klägers: "Es geht um Geräusche, die vom Platz ausgehen. Ich will nicht mal von Lärm sprechen." Der Kläger widerspricht: " Ja, da geht es auch um Emissionen. Aber vor allem ums Grundsätzliche."

Die Stadt hat sich an einen Anwalt gewendet, der die Klage nun prüft. Der Fall wird sich also noch etwas hinziehen.

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