Stadtrat entscheidet: Gehen im Daetz-Centrum die Lichter aus?

Das klamme Lichtenstein will seinen Vertrag mit einer der bedeutendsten Kultureinrichtungen in der Region kündigen. Das könnte eine folgenschwere Entscheidung sein.

Lichtenstein.

An dem Haus am Rande der Stadt scheiden sich die Geister. Für die einen ist es ein Kultur-Tempel, der Bildung, Weltoffenheit und Unterhaltung vermittelt, den man hier gar nicht vermutet. Für die anderen ist das Haus nichts weiter als ein Klotz am Bein. Am Montagabend sollen die Stadträte von Lichtenstein dem Rathaus grünes Licht geben, den sogenannten Fortsetzungsvertrag mit der Daetz-Stiftung zu kündigen.

Lichtenstein ist klamm. Die Gebäude, in denen die Daetz-Stiftung arbeitet und sich Peter Daetz' Dauerausstellung von mehreren hundert Holzkunstwerken aus aller Welt befindet, gehören der Stadt. Der Unterhalt ist teuer, vor allen Dingen die Luftbefeuchtungsanlage für die Ausstellung schluckt laut Bürgermeister Thomas Nordheim (Freie Wähler) viel Geld. "Im Jahr müssen wir als Stadt über 200.000 Euro in den Unterhalt des Daetz-Centruns stecken", argumentiert Nordheim. Die Stadt ist verschuldet, muss derzeit ein Haushaltskonsolidierungskonzept erstellen lassen, um die Löcher zu stopfen. Der Betrieb des Daetz-Centrums, eine der bedeutendesten Kultureinrichtungen der Region, gehört dabei zu den freiwilligen Aufgaben der Stadt.


Der Fortsetzungsvertrag wischen Stadt und Daetz-Stiftung war 2013 geschlossen worden und läuft eigentlich bis 2026. Aus wichtigen Gründen könne er jedoch gekündigt werden. Nordheim: "Es ist seit zwei Jahren keine merkliche Verringerung des Zuschussbedarfs zu erkennen." Dazu sei auch die Entwicklung der Besucherzahlen nicht zufriedenstellend.

Vor zehn Jahren zählte die Einrichtung noch 30.000 Besucher. Im Vorjahr gab es nur rund 13.600 Gäste. Bis zum Ende der geplanten Vertragslaufzeit müsste Lichtenstein über 2 Millionen Euro für den Unterhalt der Einrichtung aufbringen. Das will die Stadtverwaltung nicht. Deshalb sollen die Stadträte übermorgen das Vertragsende absegnen. Der Kontrakt soll dem Willen der Stadt nach erst Ende 2017 auslaufen. "Vielleicht gibt es noch eine Lösung bis dahin", sagt Bürgermeister Nordheim. Er will, dass sich Peter Daetz mehr beteiligt.

Das geht aber nicht, so Daetz. "Ich habe bereits genügend Zugeständnisse gemacht." Was passiert, wenn die Stadträte der Vertragsauflösung zustimmen und es danach keine neue Einigung gibt? "Dann werde ich mit der Daetz-Stiftung aus Lichtenstein wegziehen", sagt der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung. Wenn die Stadträte gegen die Weiterführung des Vertrages bis 2026 stimmen - was bei dem Kräfteverhältnis im Rat sehr wahrscheinlich ist -, will Daetz das juristisch prüfen lassen.

Für die Kommune könnte das Ende des Daetz-Centrums und der Stiftung allerdings mit einem großen Imageschaden verbunden sein. Peter Daetz: "Mit dem Daetz-Centrum dokumentiert der Freistaat Sachsen eindrucksvoll, dass er schon seit vielen Jahren weltoffen ist. Wenn dieses Institut mit seinen international ausgerichteten Aktivitäten aufgegeben werden würde, könnte dies deutschlandweit Verständnislosigkeit auslösen."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...