Streit um Bogenschießanlage

Ein Ehepaar hat einen fünfstelligen Euro-Betrag in eine frühere Fabrik investiert. Doch eröffnet wurde die Einrichtung nie. Wer die Schuld daran trägt, muss wohl bald ein Gericht klären.

Limbach-Oberfrohna.

Die Euphorie war groß, damals vor gut einem Jahr. Schon die Pläne für eine Bogenschießanlage in Limbach-Oberfrohna sorgten für ein großes Echo. "Wir haben Anfragen aus Berlin und anderen Großstädten, ob auch dort Bogensportarenen nach unserem Konzept eingerichtet werden können", sagte Isa Steinbrecher im Februar 2018. Die Inhaberin einer Beschichtungsfirma betreibt im Nebenberuf mit ihrem Mann Ingo Steinbrecher eine Bogensportbahn in Grüna. Weil das Ehepaar nicht mehr allen Buchungswünschen entsprechen konnte, wuchs der Wunsch nach einer größeren Anlage fürs Bogenschießen. Ihren Traum wollten sich die Steinbrechers in der früheren Platinenfabrik Müller und Franke an der Lessingstraße in Limbach erfüllen. Ein Jahr später ist der Traum geplatzt; stattdessen haben sich Enttäuschung und Wut breitgemacht. Wie konnte es dazu kommen?

Fragt man Isa Steinbrecher, so ist die Sache klar: Die Schuld liegt beim Vermieter des Industriegebäudes, das größtenteils leersteht. "Die Bogensportanlage war schon komplett fertig", sagt die Geschäftsfrau und legt als Beweis Fotos vor. Ursprünglich wollte sie schon im Mai 2018 eröffnen, es waren jedoch noch Brandschutzauflagen zu erfüllen. Da die Steinbrechers den Sommer mit einer mobilen Bogensportbahn stets auf Rügen verbringen, war als neuer Termin der Herbst vorgesehen. Doch dazu kam es nicht. Im Juni habe die Limbacher Stadtverwaltung die Baugenehmigung untersagt, erzählt Isa Steinbrecher. Als Grund sei genannt worden, dass das Zwickauer Landratsamt auf Altlasten im Gebäude hingewiesen habe. "Wir haben sofort den Vermieter informiert, die Miete auf null heruntergefahren und eine Frist gesetzt, bis zu der er die Missstände beseitigen soll." Zwar habe der Vermieter als Folge Giftstoffe aus DDR-Zeiten aus dem Keller holen lassen. Doch weitere nötige Handlungen, um eine Kontamination des Gebäudes auszuschließen, seien ausgeblieben, sagt Steinbrecher. Stattdessen habe der Vermieter wegen der ausbleibenden Mietzahlungen Strom und Wasser abgestellt.

Die Umweltbehörde des Landkreises bestätigt auf Anfrage, dass sie die Stadtverwaltung darauf hingewiesen habe, dass die Bausubstanz mit Blick auf die Geschichte des Gebäudes "Ursache einer möglichen Gesundheitsgefährdung sein könnte". Um alle Fragen zur Nutzung müsse sich aber das Rathaus kümmern. Eine Stadtsprecherin teilt mit, die Baugenehmigung sei im September 2018 erteilt worden - aber mit der Nachforderung, Risiken wegen möglicher Altlasten auszuschließen. Oberbürgermeister Jesko Vogel ergänzt, er und weitere Mitarbeiter des Rathauses hätten mehrmals mit Isa Steinbrecher telefoniert. Aus seiner Sicht habe die Initiatorin der Bogensportanlage zu früh einen Termin zur Eröffnung genannt, ohne die nötigen Genehmigungen abzuwarten. Unabhängig davon sei das Ergebnis bedauerlich. "Ich ärgere mich, dass das Projekt nicht geklappt hat", sagt der OB.

Isa Steinbrecher zog im Herbst die Notbremse, wie sie berichtet, weil das Altlastenthema aus ihrer Sicht noch immer nicht geklärt war. "Der Vermieter war sich keiner Schuld bewusst." Sie verweist auf ein Gutachten, das eine Chemnitzer Firma für Umweltberatung erstellt hat. Demnach wurden die meisten potenziell kontaminierten Gebäudeteile inzwischen abgerissen. "Auf die Nutzung des Untergeschosses der alten Härterei sollte verzichtet werden", halten die Autoren aber fest. Diesen Keller hatte Ingo Steinbrecher unabhängig von den Bogensport-Plänen als Bootshalle gemietet. Beide Steinbrechers kündigten nach eigenen Angaben ihre Mietverträge. Isa Steinbrecher entließ auch zwei Mitarbeiterinnen, die sie bereits eingestellt hatte. Im Oktober gab es noch eine Auszugsparty, dann wurde die gerade installierte Bogenschießanlage samt Gastronomiebereich wieder abgebaut. "Noch immer weine ich oft. Der Vermieter hat uns arglistig getäuscht", sagt Isa Steinbrecher.

Der Vermieter selbst stellt die Dinge allerdings ganz anders dar. Zwar sei es korrekt, dass zwei Fässer mit potenziell gefährlichen Stoffen aus der Fabrik entfernt worden seien. Doch der Bereich der Bogenschießanlage sei zu keinem Zeitpunkt betroffen gewesen. Daher könne von einer arglistigen Täuschung keine Rede sein, teilt der Limbacher mit. Das Projekt sei vielmehr daran gescheitert, dass die Steinbrechers keine Miete mehr gezahlt hätten. Offenbar sei ihnen das Geld ausgegangen. "Das ist sehr schade", sagt der Vermieter. Es habe großes Interesse an der Bogenschießanlage gegeben.

Wer die Schuld an dem geplatzten Projekt trägt, muss wohl auf juristischem Weg das Amtsgericht Hohenstein-Ernstthal klären. Inzwischen haben sich beide Seiten gegenseitig verklagt. Die Steinbrechers fordern ihre Miete für die Bootshalle zurück, der Vermieter pocht auf nicht gezahlte Mieten. Unabhängig vom Ausgang will Isa Steinbrecher keinen neuen Anlauf für eine Bogenschießanlage starten. Sie habe nicht nur sehr viel Zeit, sondern auch knapp 40.000 Euro in das Vorhaben gesteckt. "Jetzt habe ich keine Kraft mehr für einen Neuanfang."

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