Streit um Hort-Plätze: Redlich verklagt Landkreis

Mehrere Kinder in St. Egidien erhielten keinen Hortplatz. "Rechtswidrig" sagt das Landratsamt. Den Betroffenen nützt das derzeit wenig.

St. Egidien.

Groß war der Schock für Doreen Winkelmann, als sie erfuhr, dass es dieses Schuljahr keine Hortbetreuung für ihren Sohn Paul in der Kita "Kinderwelt" St. Egidien geben würde. Da bei dem Siebenjährigen ein ärztlich diagnostiziertes seelischen Leiden vorliege, falle es ihm schwer, soziale Kontakte aufzubauen. Doch genau dies sei Paul aber gelungen, als er im vergangenen Jahr im Hort nicht nur eine Bezugsperson unter den Erziehern, sondern auch einen guten Freund gewinnen konnte, wie die Mutter berichtet. Nun soll Paul wieder aus seinem stabilen Umfeld gerissen werden. Die gelernte Krankenschwester hatte sogleich Widerspruch beim Landratsamt Zwickau eingelegt. Dieses reagierte und hob Ende Juli nicht nur den Ablehnungsbescheid gegen Paul Winkelmann auf, sondern auch ähnliche Bescheide, die bei fünf weiteren Eltern eingegangen waren. Dies gab St. Egidiens Bürgermeister Uwe Redlich (parteilos) in der jüngsten Gemeinderatssitzung bekannt.

Die Bescheide seien rechtswidrig ergangen, so eine Sprecherin des Landratsamtes, "da die Gemeinde nicht erkennen lassen hat, dass sie bei ihrer Entscheidung eine Auswahl anhand rechtlicher Kriterien getroffen hat." Über die abgelehnten Hortanträge soll nun neu entschieden werden.

Dagegen hat Redlich Klage beim Verwaltungsgericht Chemnitz erhoben. Die maximale Kapazität der Kita von 100 Hortplätzen sei ausgeschöpft. "Wir hatten noch nie so viele Bewerbungen wie dieses Jahr", so der Bürgermeister, der eine Gefahr für das Wohl der Kinder befürchtet, wenn noch mehr Kinder im Hort betreut würden. Die Bescheide des Landratsamtes bezeichnet Redlich daher als "Aufforderung zum Rechtsbruch". Die Gemeinde sei aber bemüht, durch einen Erweiterungsbau zusätzlichen Plätze zu schaffen. Nähere Informationen dazu soll es in einigen Wochen geben.

Den Kindern ohne Hortplatz und deren Eltern nützt das alles momentan wenig. "Bis dieser Rechtsstreit durch ist, dauert es doch ewig", sagt Doreen Winkelmann, die überlegen muss, wie es mit Paul weitergeht, der nun nach der Schule zuhause betreut werden muss. Für die Eltern, die beide im Schichtdienst arbeiten, eine große Zusatzbelastung. Die bislang einzige realistische Alternative sei eine andere Kita. Dies jedoch könnte wegen der Beförderung hohe Zusatzkosten verursachen.

Die Kita "Kinderwelt" sei konzeptionell, räumlich und personell nicht auf die Betreuung von Kindern mit Förderbedarf eingerichtet, so Redlich. "Wer anderes behauptet, argumentiert wahrheitswidrig", sagt das Gemeindeoberhaupt. Zwar hat der Gemeinderat St. Egidien auf seiner jüngsten Sitzung beschlossen, für Paul Winkelmann und einen anderen Jungen mit "Förderbedarf" einen befristeten Aufnahmebescheid für den Hort zu erteilen, jedoch unter der Bedingung, dass die Eltern einen Einzelfallhelfer als Eingliederungshilfe genehmigt bekommen. Diese Entscheidung sorgt für weiteres Unverständnis bei Doreen Winkelmann, die wenig Chanchen sieht, eine solchen Antrag allzu bald durchzubekommen. Außerdem: "Mein Sohn ist ja nicht schwer körperlich behindert. Im vergangenen Jahr hatte das auch ohne Eingliederungshilfe geklappt."

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