Streit um Schließung einer Post-Filiale

Der Bürgermeister von St. Egidien ist empört, weil die älteren Bürger des Ortes bald weitere Wege zu einer neuen Filiale zurücklegen müssen. Er fordert eine bessere Lösung.

St. Egidien.

Über Umwege hat der Bürgermeister von St. Egidien, Uwe Redlich (parteilos), dieser Tage Post bekommen. Zuerst landete sie im Rathaus von Lichtenstein, adressiert fälschlicherweise an Bürgermeister Wolfgang Sedner, der ja seit drei Jahren gar nicht mehr Bürgermeister ist. Von dort wurde sie dann an Redlich weitergeleitet. Absender des Schreibens: die Deutsche Post AG.

In dem Schreiben übermittelte das Unternehmen eine Nachricht, die das Gemeindeoberhaupt von St. Egidien sehr verärgert. In dem Brief steht nach einigen einleitenden Sätzen: "Vertragliche Beziehungen bedingen aber auch wechselseitig die Möglichkeit der Beendigung des Vertragsverhältnisses. Aus diesem Grunde wird die Filiale St. Egidien in der Lungwitzer Straße 76 mit Ablauf des 28. Februar 2019 geschlossen." Allerdings hat die Deutsche Post AG im Ort einen neuen Partner gefunden. "Dafür wird am 1. März 2019 eine neue Filiale im Geschäft für Versandhandel und Bestellannahme in der Thurmer Straße 20 a eröffnet", teilt das Unternehmen weiter mit. Die postalische Versorgung der Bevölkerung bleibe damit weiterhin in vollem Umfang gewährleistet.

So weit, so gut. Trotzdem ist Bürgermeister Redlich sauer. Speziell geht es ihm darum, dass sich die neue Filiale am Ortsrand befindet und nicht mehr in zentraler Lage wie jene, die im Februar kommenden Jahres geschlossen werden soll. Redlich hat der Post inzwischen einen gepfefferten Brief zurückgeschickt. "Mit äußerster Empörung nehmen wir Ihr an den bis 31. Juli 2015 amtierenden ehemaligen Bürgermeister der Stadt Lichtenstein gerichtetes Schreiben vom 12. November 2018 zur Kenntnis", schreibt Redlich. Weiterhin moniert er in dem Brief, dass die Postfiliale Lungwitzer Straße 76 aufgrund ihrer Lage im Ortszentrum der Gemeinde St. Egidien gerade für Senioren, aber auch für andere Bevölkerungsgruppen sehr gut erreichbar sei.

Die Betreiberin der jetzigen Post-Filiale gibt das Geschäft aus Altersgründen auf, findet keinen Nachfolger. Für Redlich spielt das aber eine untergeordnete Rolle. "Wie man seitens der Deutschen Post ohne jegliche Kontaktaufnahme zur Gemeindeverwaltung St. Egidien und ohne Absprache mit dieser eine neue Postfiliale am Ortsrand einrichten kann, macht sprachlos", schimpft Redlich. Der geplante Standort sei gerade für Senioren äußerst nachteilig. Redlich hat das Unternehmen aufgefordert, umgehend mit der Gemeinde Kontakt aufzunehmen, um eine gemeinsame Lösung für den Standort einer neuen Filiale zu finden.

Ein Sprecher der Deutschen Post gestern zur "Freien Presse": "In der Wirtschaftswelt ist es nicht ungewöhnlich, dass ein Filial-Partner beschließt, umzuziehen oder das Geschäft zu beenden. Sollten sich in diesem Bereich weitere Kaufleute für die Übernahme einer Partnerfiliale interessieren, so können sich diese jederzeit bewerben."

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