Sturmholz liegt vorerst auf Halde

Sturm, Dürre, Borkenkäfer und Schneebruch haben den Holzmarkt auf den Kopf gestellt. Waldbesitzer werden ihre Stämme nicht mehr los. Die Rotenhansche Forstverwaltung will retten, was zu retten ist - mit einem Zwischenlager.

Falken.

Hunderte Holzstämme, rund 1000 Kubikmeter Holz, stapeln sich auf einer Wiese an der Hohensteiner Straße in Falken. Ein Schild warnt: Zwischenlager! Gefahr! Nicht betreten! "So ein riesiger Holzberg ist für Kinder interessant, aber ein gefährlicher Spielplatz", sagt Franz Freiherr von Rotenhan.

Der Forstmann, der rund 950 Hektar Wald in der Region bewirtschaftet, hat am ehemaligen Bergmann-Hof an der Hohensteiner Straße einen Trockenlagerplatz als Zwischenlager eingerichtet. Aus der Not heraus. Zählt man Schneebruch, Dürre und den Borkenkäfer dazu, hat es binnen 18 Monaten sieben Kalamitäten gegeben. Sturmtiefs wie "Herwart", "Friederike", "Fabienne" und "Eberhard" entwurzelten 80 Jahre alte Fichten scheinbar mühelos, knickten Bäume wie Streichhölzer um. "Diese Ereignisse haben uns schlichtweg zur Holzernte gezwungen", sagt Rotenhan. "Wir haben in den vergangenen eineinhalb Jahren viermal so viel Holz eingeschlagen müssen, wie wir sonst rausholen. In diesem Jahr auf zwei Etappen 6500 Festmeter, im vorigen Jahr 21.000 Festmeter." Revierförster Frank Günther: "Das hat mit geregelter Waldbewirtschaftung nichts mehr zu tun." Sachsen hat 8 Millionen Euro Förderung zur Verfügung gestellt, um die schlimmsten Verluste abzufedern. "5 Euro pro Festmeter fürs Aufarbeiten können das aber nicht kompensieren", sagt von Rotenhan.


Die Ereignisse haben in der sächsischen Holzwirtschaft heftige Spuren hinterlassen. Der Preis für Fichte fällt derzeit ins Bodenlose, brach um 70 Prozent ein. "Sachsens Sägewerke werden mit Sturmholz zugeschüttet", sagt Franz von Rotenhan. Das kann Michael Hübner, Chef des Sägewerkes in Lichtenau, bestätigen. Er ist extra nach Falken gekommen, um sich das Rohmaterial anzusehen. "Der Markt ist total überflutet, wir werden unsere Produkte nicht mehr los. Kaum Nachfrage, höchstens nach Kiefer und Lärche", klagt er. Derzeit eine Spirale ohne Ende. Hübner sieht nur eine Chance. "Die gelagerten Stämme verlieren Tag für Tag an Wert. An besten auf gängige Größen sägen lassen, aufstapeln, abdecken und später verkaufen." Für Franz von Rotenhan ist dieses Metier allerdings Neuland. "Wir sollten aber auch darüber nachdenken", sagt er. Um die Genehmigung der Behörden für den Lagerplatz zu bekommen, musste dieser 500 Meter Abstand zum Wald haben. Grund ist der Borkenkäfer.

Genau der macht den Jahresverlauf noch einmal spannend. Wenn das Aufarbeiten des Bruchholzes Ende Juni abgeschlossen ist, gehen die Forstleute noch auf Borkenkäferrunde. Frank Günther ist vorsichtig optimistisch. Er hofft, dass dabei kein größerer Befall zutage tritt. "Es reicht, dass der Sturm die Arbeit von 20 Jahren in einer Nacht kaputtgemacht hat." Er hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten viel Hirnschmalz und Arbeit in den Waldumbau von Flachwurzlern und Nadelbäumen hin zu einem Mischwald investiert. Vielerorts gibt es neben der Fichte inzwischen schon Eichen, Buchen, Roteichen, Erlen, Birken, Lärchen und Tannen, sagt Günther.

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