Theater in der Mühle wird bald abgerissen

Die letzte Vorstellung in der kleinen Spielstätte ist vorbei. Der städtische Großvermieter GGZ will das Gebäude abreißen und dort neu bauen.

Zwickau.

Auch wenn es im Zwickauer Theater in der Mühle (TiM) nie einen Vorhang gab: Zu Silvester ist definitiv der letzte gefallen. Der Mietvertrag ist endgültig ausgelaufen. "Bis Ende der Woche müssen wir das Gebäude geräumt haben", sagte Theatergeschäftsführerin Sandra Kaiser. Derzeit werden noch die letzten Requisiten weggebracht und die Technik wie Scheinwerfer und die Tonanlage ausgebaut. Am Freitagvormittag ist die Übergabe der Schlüssel an die Eigentümerin, die Gebäude- und Grundstücksgesellschaft Zwickau (GGZ), geplant. "Das ist natürlich für uns sehr emotional", sagte Kaiser.

Dabei ist mit dem Auszug nicht nur die Geschichte der kleinen Bühne besiegelt, sondern auch die des Gebäudes insgesamt. Noch in diesem Monat soll mit den Abrissarbeiten an der fast 75 Jahre alten Immobilie begonnen werden, wie GGZ-Sprecher Steven Simmon sagte. Auf dem Areal wird der städtische Großvermieter seinen neuen Firmensitz bauen. Zu retten ist die ehemalige Stadtmühle ohnehin nicht mehr. Inzwischen steigt die Feuchtigkeit immer mehr nach oben und hinterlässt ihre Spuren. Baumängel, wohin das Auge blickt. Die Probleme begannen im Jahr 2010. Weil der Brandschutz nicht mehr gewährleistet war, mussten die oberen Stockwerke gesperrt werden. Fundus und Schneiderei zogen an die Breithauptstraße um, wo sie auch heute noch ihren Sitz haben. Eine Sanierung des Gebäudes lehnte die Stadt damals ab. Die Kosten dafür hätten 2,7 Millionen Euro betragen. Den Betrag wollte die Kommune nicht aufbringen. Lediglich eine zusätzliche Treppe wurde für 124.000 Euro außen an das Gebäude angebaut. Damit war sichergestellt, dass die Verwaltung des Theaters sowie die Gaststätte im TiM bleiben konnten.

Im März 2016 entledigte sich die Stadtverwaltung des Problemgebäudes samt dem knapp 4000 Quadratmeter großen Grundstück endgültig. Für 217.000 Euro verkaufte sie es an die eigene Tochtergesellschaft GGZ. Von Anfang an stand fest, das dort ein Neubau entstehen wird, der für eigene Zwecke genutzt wird. In der Zwischenzeit wurde der Nutzungsvertrag mit dem Theater bis zum Jahresende 2018 verlängert. Das Theater sucht unterdessen noch immer nach einer neuen Spielstätte, die das TiM ersetzen soll. "Wir haben uns eine Reihe von Objekten angesehen, bisher aber leider keine dauerhafte Lösung gefunden", sagte Sandra Kaiser. An ein Theater werden hohe Anforderungen gestellt, die dort entweder gar nicht oder nur mit sehr hohem finanziellen Aufwand umzusetzen waren. Da ein neues Quartier in der Innenstadt angestrebt wird, sind die Möglichkeiten begrenzt. Die eine oder andere Aufführung des TiM wird jetzt im Malsaal hinter dem Gewandhaus stattfinden. "Das allerdings bindet dort Kapazitäten", sagte Kaiser. Der Malsaal ist bereits die Ausweichspielstätte für das Gewandhaus während dessen Sanierung.


Das Theater und die Mühle

Auf dem Areal stand einst die von Ernst Winkler betriebene Silberhofmühle. Am 11. März 1883 brannte die Mühle ab, wurde jedoch neu aufgebaut. 1945 kurz vor Kriegsende wurde die Mühle erneut zerstört. Der Neubau erfolgte 1946 und 1947 zunächst als Stadtmühle. Später wurde daraus der VEB Stadtmühle Zwickau, der am 28.Februar 1963 in das Kombinat Nahrungsmittelwerke Zwickau eingegliedert wurde. 1976 begann der Umbau zum Funktionshaus des Theaters. Im Kellergeschoss entstand das Theater in der Mühle, das im Oktober 1979 zum Republikgeburtstag mit dem Musical "Ein musikalisches Himmelbett" eingeweiht wurde. (nkd)

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