Tod beim Rücktransport

Vor 100 Jahren ging der Erste Weltkrieg mit dem Waffenstillstand von Compiègne zu Ende. Auch in Hohenstein-Ernstthal atmeten die Menschen auf. Es war eine sehr dynamische Zeit, die Ereignisse überstürzten sich.

Hohenstein-Ernstthal.

Der November 1918 markierte eine Zäsur in vielfältiger Hinsicht, die Monarchie wurde gestürzt, der Kaiser flüchtete ins niederländische Doorn, am 9. November wurde in Berlin gleich zweimal die Republik ausgerufen, einmal von Philipp Scheidemann (SPD) und dann von Karl Liebknecht (Spartakusbund). In Sachsen wurde die Republik in Dresden im Zirkus Sarrasani begrüßt, die Novemberrevolution nahm ihren Lauf. Auch in Hohenstein-Ernstthal etablierte sich ein Arbeiter- und Soldatenrat an der Spitze mit Hermann Krauß und Andreas Bornschlegel.

Noch litten die Bürger der Stadt Hunger und allgegenwärtig spürten sie die Not und das Elend, das der Weltkrieg hinterlassen hatte. 457 Tote hatten die Familien der Stadt zu beklagen, die ihr meist junges Leben in den sinnlosen Schlachten des Krieges verloren. Ihre Namen stehen alle auf den Tafeln des Ehrenmals der Gefallenen am Silbergäßchen. Betrachtet man diese Listen genauer, so wird deutlich, wo die Söhne der Stadt ihr Leben ließen. Zwei Drittel fielen an der Westfront, vor allem in Frankreich, darunter 15 in Ypern in der belgischen Provinz Westflandern, fünf im Stellungskrieg vor Verdun und acht an der Somme, wo im November 1916 eine der sinnlosesten Schlachten dieses Krieges tobte. Auch militärisch endeten die meisten Schlachten ergebnislos, so bei den Kämpfen um Verdun als auch um die Lorettohöhe bei Lens und Arras in Frankreich, wo auch Hohenstein-Ernstthaler fielen. Insgesamt wurden an diesem Frontabschnitt 60.000 Leben ausgelöscht. Einige Bürger unserer Stadt fielen auch bei der verlustreichsten Seeschlacht, der im Skagerak nördlich von Dänemark in der Nordsee im Mai 1916, so zum Beispiel der Matrose Arno Fritz Schaller.

Die an der Ostfront Gefallenen Hohenstein-Ernstthaler machten etwa 14 Prozent, die in Lazaretten verstorbenen 11 Prozent und die an der Mittelfront einschließlich Deutschland Getöteten knapp 9 Prozent aus.

Neben den Gefallenen wurden nach dem Krieg noch zusätzlich 23 Hohenstein-Ernstthaler für tot erklärt, über die gar nichts Näheres bekannt ist. Die unzähligen Kriegsversehrten und Verletzten hat nie einer gezählt. Jeder, der im Ersten Weltkrieg Umgekommenen hätte grausame Geschichten zu erzählen, zu Hunderttausenden wurden sie an der Front verheizt, vieles von diesem Elend ist der Vergessenheit anheim gefallen.

Werfen wir einen Blick auf einige Einzelschicksale, so starb der erste Hohenstein-Ernstthaler - Otto Kurt Richter, er wurde am 1. Januar 1898, dem Tag der Vereinigung beider Städte, geboren - am 30. August 1914 in einem Hamburger Lazarett. Er diente als Kanonier der Flak-Gruppe Hamburg. Der Vater des Schriftstellers Werner Legère, Paul Otto Legère, fiel am 24. Oktober 1914 als Soldat nahe dem belgischen Ypern, allerdings vor dem ersten Chlorgaseinsatz, der am 22. April 1915 von deutscher Seite ausgelöst wurde. Kurz vor Ende des Krieges fiel der Luftschiffer aus Ernstthal, Karl Eduard Vogel, Gefreiter des Ballonzuges 82, am 7. Oktober 1918 bei Mennevret in Nordfrankreich. Er befand sich auf dem Rücktransport nach Deutschland, als sein Zug bombardiert wurde. 1914 war er als Luftschiffer zum Militärdienst eingezogen worden und diente an der Westfront. Die Luftschiffer fuhren mit an Stahlseilen geführten Ballons in die Höhe von 800 Metern, später bis 1300 Metern, um die feindlichen Linien an der Front einzusehen, schossen Fotos, die am Boden entwickelt wurden und der Feuerleitung der Artillerie zur Verfügung standen. Zuletzt wurde die Feuerleitung direkt aus dem Ballon vorgenommen.

Der Erste Weltkrieg hatte für Deutschland katastrophale Auswirkungen unter anderem fixiert im Vertrag von Versailles bis hin zur Inflation 1923 und darüber hinaus, was sich in letzter Konsequenz auch auf die Hohensteiner Einwohner in aller Härte niederschlug.

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