Tomoffel-Gärtner schickt Zitronenbäumchen nach Portugal

Zehn Pflanzen gehen vom Sachsenring aus auf Reisen an die Algarve. Gezüchtet hat die neue Sorte Gartenprofi Manfred Reichenbach, der schon als Tomoffel-Gärtner für Aufsehen sorgte. Sein neuester Clou: ein Sortentest.

Hohenstein-Ernstthal.

Zitronen nach Portugal exportieren ist wie Eulen nach Athen tragen. Denn dort sind die sauren Südfrüchte schließlich beheimatet und wachsen wie Unkraut. Doch nicht die Zitronen an sich, nur zehn junge Zitronenbäume gehen in dieser Woche vom Sachsenring aus auf Reisen. An der Algarve will Manfred Reichenbach seine Neuzüchtung unter optimalen klimatischen Bedingungen testen lassen. "Sie müsste optimale Erträge abwerfen", orakelt der ehemalige Gartenbauingenieur.

Reichenbach hat nicht nur zwei grüne Daumen, sondern bringt von jeher auch das Fachwissen und die Experimentierfreude mit. Der heute 86-Jährige hat bereits mit einer ertragreichen Heidelbeer-Neuzüchtung für Aufsehen gesorgt, aber auch mit der Tomoffel. Nachdem er die Nachtschattengewächse im Jahr 2016 so miteinander veredelt hatte, dass sie in der Erde Kartoffeln ausbildeten und über der Erde Tomaten reiften, überrannten ihn die Medien und die Gartenfreaks förmlich.

Das Züchten seiner neuen Zitronensorte "Sachsenring" dauerte um einiges länger. Den Grundstein legte er vor 32 Jahren, als der damalige Vorsitzende der Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft Stollberg noch im Arbeitsleben stand. 1987 startete er die Mission "Zitrone". "Der Staat versuchte, überall Devisen zu sparen. Der Anbau von Zitronen wäre ein Riesenerfolg gewesen", sagt Reichenbach. Er steckte 1987 ein paar Zitronenkerne, selektierte später die besten Pflanzen, nahm von Kreuzungsfrüchten wieder die Kerne und gewann von diesen bereits 54 Pflanzen, die er erneut straff selektierte. Seine Zuchtkriterien: Große Blätter für die Assimilationsfläche, wenig Dornen, eine Frucht mit wenig Kernen, auch Fruchtform, Größe, Farbe, der Geschmack der Fruchtschale, Fruchtsäure und Ertrag sind wichtig. Das ist bei der "Sachsenring" inzwischen perfekt. Jetzt müssen die zehn dreijährigen Pflanzen nur noch den Praxistest in ihrer eigentlichen Heimat bestehen. "Dort werden sie im Dezember 2020 die ersten Früchte tragen", erklärt der Supergärtner, in dessen Gewächshäusern zu Hause am Sachsenring auch Ananas reifen.

Für den Portugal-Versuch hat er im Hohenstein-Ernstthaler Fruchtimporteur Mathias Andraea den richtigen Partner gefunden. Der 57-Jährige hat einen Frucht-Großhandel aufgebaut, bei dem die reifen Früchte jede Woche direkt von kleinen Partnerplantagen in Portugal nach Hohenstein-Ernstthal kommen. Er nimmt die Bäumchen jetzt mit nach Portugal, wo sie auf einer Plantage bei Topklima getestet werden. Wenn alles gut läuft, könnte es die "Sachsenring"-Zitrusfrüchte schon bald im "Orangenland" in der Karl-May-Straße zu kaufen geben - quasi als Re-Import.

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