Traditionsgeschäft schließt nach 50 Jahren

Klaus Ulke findet für seinen Juwelierladen in Hohenstein-Ernstthal keinen Nachfolger. Für die Innenstadt ist das ein weiterer Verlust.

Hohenstein-Ernstthal.

Wo ist die Zeit nur hin? Es war das Jahr 1966, als Klaus und Brigitte Ulke in der Weinkellerstraße in Hohenstein-Ernstthal einen Laden der staatlichen Handelsorganisation HO übernahmen, deren Angestellte sie auch waren. Es gibt noch alte Fotos aus der Zeit. Die beiden als junges, schickes Ehepaar in dem Uhren- und Schmuckgeschäft. Sie 20, er 23 Jahre alt. Jetzt, 50 Jahre später, geben die beiden den Laden, inzwischen an der Dresdner Straße und privatisiert, auf. Es findet sich kein Nachfolger.

Damit verliert die Innenstadt von Hohenstein-Ernstthal innerhalb kurzer Zeit ein zweites alteingesessenes Geschäft. Zum Jahrmarkt Ende September hatte das Glas-und Keramik-Fachgeschäft von Maritta Günther in der Weinkellerstraße zugemacht. Auch für diese Händlerin gab es keinen Nachfolger. Klaus Ulke: "Ich bin jetzt 73 Jahre alt. Da ist es an der Zeit, aufzuhören. Aber trotz großer Bemühungen habe ich bisher keinen gefunden, der das Geschäft übernehmen will." Es hätte bereits Interessenten gegeben, aber niemand konnte sich durchringen, obwohl Ulke 4000 Stammkunden mit anbieten kann. Gegenwärtig läuft der Räumungsverkauf. Auf die restliche Ware gibt es 50 Prozent. Der Verkauf läuft, bis die ganze Ware raus ist. "Spätestens aber am 31. Dezember dieses Jahres ist Schluss", so Klaus Ulke.

Das Ehepaar hat seit 1966 miterlebt, wie sich die Stadt Hohenstein-Ernstthal und der Einzelhandel entwickelt haben. "In der DDR war die Hauptbeschäftigung eines Händlers, mit allen Tricks Waren zu besorgen", erinnert sich Klaus Ulke zurück. Erst dann habe man sich mit dem Kunden befassen können. Heute sei das genau umgekehrt. 1987 machten sich die Ulkes privat, übernahmen das Geschäft auf Kommissionsbasis und zogen mit dem Laden in die Schubertstraße. Das Ehepaar zählte damals 8000 Kunden, doppelt so viele wie heute. Nach der Wende machte das Geschäft - seit 1991 befindet es sich an der Dresdner Straße - erst einmal gute Geschäfte. Es war Geld unter den Leuten, bei manchen saßen die Scheine locker. So verkauften Brigitte und Klaus Ulke auch schon mal eine Uhr für 35.000 D-Mark oder eine Kette für 40.000. Aber das ist schon lange nicht mehr der Fall. "Es ist nicht mehr so viel Geld unter den Leuten wie damals", erzählt Ulke. Und dazu kam: Die Einkaufszentren in den größeren Städten wie Chemnitz oder Zwickau machten den Einzelhändlern in den Kleinstädten die Käufer abspenstig.

Trotzdem sagt Ulke: "Wenn wir uns auf Nischen besinnen, den Service voranstellen, dann hat auch die Innenstadt von Hohenstein-Ernstthal weiter eine Chance."

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