US-Soldaten verwechseln Liechtenstein mit Lichtenstein

Zwei Amerikaner sind im Puppen- und Spielzeugmuseum in Lichtenstein gestrandet. Ihr eigentliches Ziel hatten sie um 600 Kilometer verfehlt.

Lichtenstein.

Die zwei jungen Männer standen auf einmal im Hof hinter dem Museum, erzählt Jörg Flämig (52). Sie waren mit großen Rucksäcken und Kameraausrüstung unterwegs. Ihr Englisch mit starkem amerikanischen Akzent war kaum zu verstehen. Sie fragten: "Where is the city?", zu Deutsch: "Wo ist die Stadt?". "Here is the city", "hier ist sie", antwortete ihnen Jörg Flämig (52). Er ist der Chef des Lichtensteiner Puppen- und Spielzeugmuseums am Lichtensteiner Altmarkt. Gestern feierte das Museum seinen 20. Geburtstag.

Aus diesem Anlass erzählte Jörg Flämig die besten Anekdoten aus den vergangenen zwei Jahrzehnten. Die jüngste Geschichte ereignete sich erst vergangene Woche: Die jungen Männer, die plötzlich im Museumshof standen, waren US-Marines, Elitesoldaten der US-Flotte, fand Jörg Flämig schließlich heraus. Nach dem Ende ihrer Ausbildung in Ramstein in der Eifel starteten sie eine Weltreise. Erstes Ziel: Vaduz, die Hauptstadt des Ministaates Liechtenstein. Dass dieser Landstrich sich - anders als die Stadt Lichtenstein - mit "ie" schreibt, hatten sie wohl übersehen, und damit die Hauptstadt des Fürstentums zwischen der Schweiz und Österreich um rund 600 Kilometer verfehlt. Nachdem sich die beiden Männer gestärkt hatten, schenkte ihnen Jörg Flämig als erstes einen Europaatlas. Dann fuhr er die beiden Soldaten zum Bahnhof Zwickau und setzte sie in den nächsten Zug gen Süden. "Wir hoffen, dass sie sich noch einmal per Facebook bei uns melden", sagt Flämig.


Er und seine Familie steckten mitten in den Vorbereitungen für die Geburtstagsfeier diese Woche. Denn am 24. August 1996 wurde das Puppen- und Spielemuseum von Flämigs Eltern Werner (74) und Heidi (72) gegründet und war damit das erste und derzeit einzige private Spielzeugmuseum Sachsens. Seitdem schauten sich 280.000 Besucher die historischen Puppen, Teddys, Kaufmannsläden und das Blechspielzeug aus der Zeit zwischen 1830 bis 1980 an. Auf 250 Quadratmetern wird gut die Hälfte des Spielzeugs ausgestellt, das die Familie in mittlerweile dritter Generation gesammelt hat.

"Für uns ist es während der vergangenen 20 Jahre immer ein Kampf gewesen", sagt Jörg Flämig zurückblickend. Das Museum allein trage sich finanziell nicht. Nur dank der angegliederten Werkstatt, in der Jörg Flämig Puppen und Spielsachen restauriert, und des Museumscafés im Hof kann die Familie die Ausstellung erhalten. Zuletzt machten dem Familienbetrieb die Baustellen in Lichtenstein zu schaffen. Während der Bau-Monate sei der Umsatz auf ein Drittel zurückgegangen, erzählt Jörgs Ehefrau Katrin Flämig (52). Mittlerweile ist die Straße wieder frei. "Uns war kaum nach Feiern zu Mute", sagt Katrin Flämig. Trotzdem entschied sich die Familie, zum Jubiläum einzuladen. Diese Woche können alle Lichtensteiner das Museum kostenlos besuchen.

Übrigens war die Verwechslung, die Flämigs vergangene Woche mit den Amerikanern erlebt haben, nicht die erste in der Museumsgeschichte. Eine Ladung Spielzeug-Bücher, die die Familie bestellt hatte, war einmal fälschlicherweise im Staat Liechtenstein gelandet. "Und wir hatten uns gewundert, warum sie ewig nicht ankam", erzählt Werner Flämig heute lachend.

Geöffnet hat das Puppen- und Spielzeugmuseum an der Ernst-Thälmann-Straße 31 Dienstag bis Samstag von 11 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 15 Uhr. Noch bis Sonntag ist der Eintritt für Lichtensteiner frei.

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