Veranstaltungsreihe "Unentdeckte Orte": 700 Besucher erleben historische Kunze-Mühle

Ein Wasserrad hat die Kunze-Mühle in Kuhschnappel nicht mehr. Dafür aber uralte intakte Technik. Bei "Freie Presse zeigt unentdeckte Orte" konnte sie von 700 Besuchern bestaunt werden.

Kuhschnappel.

Die hölzernen Stufen stöhnen und ächzen unter den Füßen der Besucherschar. Fast 700 Neugierige lockt die Kunze-Mühle am Kuhschnappelbach verteilt über den Sonnabend an. Auch Albrecht Gruner aus dem erzgebirgischen Auerbach muss ein wenig den Kopf einziehen, um vom Stöbern in der Kunze-Mühle, die im Kuhschnappeler Gerichtsbuch anno 1707 erstmals erwähnt wird, nicht mit einer Beule heimzukehren.

Der 68-Jährige hat die Einladung der "Freien Presse" zum Entdecken der "Unentdeckten Orte" gern angenommen. "Ich finde diese Reihe unglaublich interessant, war auch vor Kurzem auf Schloss Rauenstein dabei", sagt er. Ebenso der Thalheimer Edgar Melzer, den die knarrenden Dielen und die uralte Mühlentechnik faszinieren. Auch oder gerade, weil den uralten und raffiniert ausgeklügelten Holzkonstruktionen anzusehen ist, dass der emsige Müller mit dem Holzwurm im Dauerwettstreit steht. Edgar Melzer lässt keine Ecke aus. Vom Transmissionskeller bis zur nachempfundenen Schlafstätte des Müllers im Spitzboden des Hauses schaut er sich um und hört den Geschichten von Mühlenbesitzer Wolfgang Vogel zu. Der Bauingenieur hatte 2005 mit der Instandsetzung der völlig heruntergekommenen Mühle in Kuhschnappel begonnen, seitdem jede freie Minute und viel Gel, sowohl aus eigener Tasche als auch vom Denkmalschutz, in den Ausbau des Anwesens investiert. Bei den Führungen erfahren die Gäste Spannendes über den Alltag der Müller, die Funktion des Mahlwerkes und des Walzenstuhls oder das Absacken des Mehls.

Ein wenig hadert Vogel mit dem Schicksal. Der Vorbesitzer hatte zur Wende versäumt, das Wasserrecht eintragen zu lassen. "Solange brauchen wir über ein neues Wasserrad gar nicht nachdenken", sagt der 70-Jährige. In der Radstube dreht sich schon lange nichts mehr. Reste von verrostetem Eisen und hölzerne Bruchstücke erinnern an die alte Technik. In den letzten Jahrzehnten des Betriebes erledigte ein Elektromotor die Arbeit. Schwiegersohn Frank Schmidt will den Gedanken aber noch nicht ganz aufgeben. "Schließlich ist der Mühlgraben noch weitgehend intakt. Doch da müssen die Behörden und die anderen Grundstückseigentümer erst einmal mitspielen."

Während die einen die Mühle erkundeten, machten es sich die anderen unterm Pavillon der "Freie Presse"-Leseecke gemütlich oder stöberten in Antiquitäten. Seit sieben Jahren kommt Antiquitäten-Händlerin Veronika Stolpe aus Hohenstein-Ernstthal zum Mühlentag in die Kunze-Mühle. "Zu so einer alten Mühle gehören einfach Antiquitäten und Trödel dazu", ist sie überzeugt. Von emaillierten Milchkannen, Petroleumlampen, Zylinder und Jahres-Ausgaben der "Fuwo" (Fußballwoche) bis hin zu Kriegsspielzeug aus Blech, Orden, Abzeichen oder einem russischen Reisegrammophon, das einst die Russen mit nach Deutschland brachten, bot sie an ihrem Stand im Hof alles an. "Das Grammophon kam einst mit der Lufthansa nach Deutschland, das Kontrollsiegel klebt sogar noch am Gehäuse", sagt die 60-Jährige. Ob der letzte Müller noch Musik aus dem Grammophon gehört hat, weiß auch Wolfgang Vogel nicht.

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