Von Winnetou inspiriert: Autor Legère hielt Karl May die Treue

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Porträts der beiden Erfolgsschriftsteller aus Hohenstein-Ernstthal werden demnächst einträchtig einen Giebel der Innenstadt zieren. Beide reisten vor allem in der Fantasie und schufen packende Abenteuerromane. Legère brauchte für seine Kreativität speziellen "Stoff".

Hohenstein-Ernstthal.

Nach Timbuktu kam Werner Legère nie - dabei hatte er seinen Durchbruch mit "Ich war in Timbuktu". Doch der Hohenstein-Ernstthaler (1912 bis 1998) verbrachte den Großteil seines Lebens in der DDR und reiste deshalb vor allem in der Fantasie: Seine Bücher (Gesamtauflage 1,3 Millionen) entführen die Leserschaft in ferne Länder und vergangene Zeiten, sind voll packender Abenteuer, dabei historisch genau und manchmal von einer gewissen Wehmut durchzogen. "Gerade ,Ich war in Timbuktu' sollte man gelesen haben", findet André Neubert, Leiter des Karl-May-Hauses. Dort können einige Werke von Legère (gesprochen "Leschèr") wie "Unter Korsaren verschollen" oder "Die Nacht von Santa Rita" erworben werden - sie erschienen nach der Wende im Karl-May-Verlag

Dies ist kein Zufall, denn Werner Legére war zeitlebens Riesen-Fan des berühmtesten Sohns von Hohenstein-Ernstthal, in dessen Todesjahr er geboren wurde. 1932 inszenierte er im Hotel "Drei Schwanen" eine Winnetou-Aufführung und spielte selbst die Hauptrolle (siehe Foto). 1992 enthüllte der Schriftsteller die Büste seines großen Vorbilds. Sein Nachlass ging an das Karl-May-Haus, dem gegenüber sich heute das Werner-Legère-Zimmer befindet. Das beherbergt unter anderem seine geliebte Erika-Schreibmaschine und eine Schachtel F6 - beide unentbehrlich für das kreative Schaffen des Schriftstellers.

Für Ortschronist Wolfgang Hallmann war Legère ein guter Freund. "Er war ein sehr bescheidener Mensch", erinnert er sich. Hallmann sieht in Legère den Mann, "der den literarischen Staffelstab von Karl May übernahm". Die Begeisterung für Karl May ziehe "sich wie ein roter Faden durch sein Leben". Legère arbeitete zunächst als Stenotypist und Fremdsprachenkorrespondent.

Nach Krieg und sowjetischer Gefangenschaft kehrte er 1947, auf 39 Kilo abgemagert, in die Heimat zurück. Nach ersten journalistischen Arbeiten gelang ihm 1953 mit "Ich war in Timbuktu" der große Wurf: Der Romanheld René Caillié kehrte Anfang des 19. Jahrhunderts aus der sagenhaften Wüstenstadt zurück - doch man glaubte ihm nicht, weil er die einstige Metropole so schilderte, wie sie inzwischen aussah. Legère wurde in den DDR-Schriftstellerverband aufgenommen und konnte seitdem vom Schreiben leben. In der DDR sei das nicht so schwierig gewesen, sagt Hallmann: "Für eine Lesung gab es 150 Mark, mit zwei Lesungen pro Woche kam man gut zurecht."

Legères zweites Buch "Unter Korsaren verschollen" war noch erfolgreicher. Es erschien 1955 und befasste sich mit dem fast vergessenen Kapitel der Versklavung christlicher Europäer durch nordafrikanische Piraten im 19. Jahrhundert. In weiteren Romanen befasste sich der Schriftsteller unter anderem mit dem Gründer des Roten Kreuzes Henry Dunant, einem jüdischen Aufstand gegen die Römer, dem Kampf der Apachen und dem Bauernkrieg. "Bis zum Ende der DDR - also fast sein ganzes Leben lang - musste er um Veröffentlichungen kämpfen", sagt Hallmann.

1993 wurde Werner Legère erster Ehrenbürger seiner Heimatstadt nach der Wende. Aus diesem Anlass wird es nächstes Jahr im Karl-May-Haus eine Kabinettausstellung für ihn geben. Noch in diesem Jahr soll der "Literatur-Giebel" mit den (momentan eingelagerten) Porträts von fünf bedeutenden Autoren aus Hohenstein-Ernstthal wieder in der Innenstadt angebracht werden, und zwar an einem Giebel an der Ecke Immanuel-Kant/Friedrich-Engels-Straße. Außer May und Legère werden damit Karl Heinrich Ludwig Pölitz, Gotthilf Heinrich von Schubert sowie Signor Saltarino gewürdigt.


Zahlen und Fakten zu Legère

Auf Anhieb bekannt wurde Werner Legère 1953 mit "Ich war in Timbuktu", es folgten "Unter Korsaren verschollen" (1955), "Die Verschwörung vom Rio Cayado" und "Schwester Florence" (1956), "Der Ruf von Castiglione" (1960), "Stern aus Jakob" (1963), "Die Stiere von Assur" (1969), "Der gefürchtete Gaismair" (1976), "In allen meinen Taten" (1982) sowie "Die Nacht von Santa Rita" (1997).

Seine Bücher erreichten eine Auflage von 1,3 Millionen. Sie wurden in acht Sprachen übersetzt (damalige sozialistische Staaten sowie Italienisch).

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