Vor fünf Jahren Land unter in der Region

Anfang Juni 2013 versank die Region im Regen. Seitdem arbeiten die Kommunen an der Beseitigung der Schäden und daran, den Hochwasserschutz zu verbessern.

Hohenstein-Ernstthal.

Mit den neuesten Katastrophenmeldungen aus dem Vogtland kehrt auch in der Region bei manchem die Erinnerung an den 31. Mai 2013 zurück. Wolkenbruchartige Regenfälle hatten in der Nacht einen Vorgeschmack auf das geliefert, was noch kommen sollte. Mit der zweiten Welle trat der Lungwitzbach über die Ufer, flutete Keller in Oberlungwitz und machte die Straße in St. Egidien unpassierbar. In Bernsdorf verwandelten sich die Wiesen in Seen, in Langenchursdorf wurde es an der "Grünen Aue" kritisch. Schlammbrühe im Becken des Gersdorfer Sommerbades bereitete der Saison abrupt ein Ende.

Die heftigen Regenfälle, die in Lugau und Oelsnitz niedergingen, ließen auch den Gersdorfer Hegebach in Windeseile über die Ufer treten. "Wir konnten die zwei Autos in der Garage nicht mehr retten. Das Wasser, das von der Straße ins Haus eindrang, überflutete sie und schoss dann in dickem Strahl aus dem Kellerfenster wieder heraus", erinnert sich Rentnerin Elke Polmar. "Von der Hausnummer 297 in Richtung Lugau hat es mehrere Häuser erwischt", weiß auch Regina Martin. "Aber das war trotzdem nicht mit dem Hochwasser 1975 zu vergleichen. Da stand einen Tag vor Schulanfang sogar der Zaun unter Wasser", weiß die Seniorin noch genau.

Dass es im Juni 2013 am Lungwitzbach nicht noch schlimmer gekommen ist, haben die Oberlungwitzer einem umstrittenen Bauwerk der Talsperrenverwaltung zu verdanken. Das Hochwasserrückhaltebecken am Kirchberger Dorfbach zwischen Oberlungwitz und Erlbach-Kirchberg, Fassungsvermögen 125.000 Kubikmeter, war erst 2012 fertig geworden. Die Wassermenge im Bach, der dort im Normalfall rund 100 Liter Wasser pro Sekunde führt, kann bei Starkregen auf das 50-Fache anwachsen. Das Rückhaltebecken sollte die Menge gut verkraften. Doch die Wassermassen füllten das Becken hinter dem neun Meter hohen Damm ruckzuck. Das Rückhaltebecken lief tatsächlich über.

Noch kämpfen die Kommunen mit den Folgen der Flut. Dabei geht es vorrangig um die Beseitigung der Schäden als um den Hochwasserschutz. Die Gemeinde Callenberg verfügt inzwischen über einen Hochwasser-Risikomanagementplan. Sie hat etliche Hochwassermaßnahmen umgesetzt. Nächste Woche geht es im Zusammenhang mit der Erneuerung der Talstraße in Langenchursdorf mit dem Bau der BHG-Brücke weiter. In Oberlungwitz gibt es derzeit mehrere Baustellen am Lungwitzbach zur Erneuerung von Bachmauern und Böschungen. Am Abzweig zur B 180 ist der Bach auf 30 Metern offengelegt. Allerorts wurde versucht, das Durchlassvermögen zu erhöhen.

Gersdorf hat ein Mammutprogramm mit mehreren Brückenerneuerungen über die Bühne gebracht. Beim Marktgewölbe, mit 2,7 Millionen Euro die teuerste Maßnahme, beginnt jetzt der letzte Abschnitt. "Absolute Priorität hat auch das Regenrückhaltebecken hinterm alten Netto", sagt Bürgermeister Erik Seidel (parteilos).

Im Internet finden Sie auf der Webseite der "Freien Presse" einen Überblick über aktuelle Wasserstände und Hochwasserwarnungen in Sachsen.

www.freiepresse.de/hochwasser/

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