Wahlplakat der Grünen bringt Landwirte auf die Palme

Bauernhetze warfen Landwirte Sachsens Grünen vor. Fraktionschef Wolfram Günther wollte vor Ort die Wogen glätten. Das mündete in eine hitzige Glyphosat-Debatte.

Oberwinkel.

Der kleine Aufenthaltsraum der Waldenburger Agrar GmbH & Co. KG in Oberwinkel ist nicht gerade die große Bühne für den Fraktionschef der Grünen im sächsischen Landtag. Doch Wolfram Günther, auch umweltpolitischer Sprecher, ist der Einladung ins Unternehmen gefolgt. Denn bei den Landwirten kocht der Zorn. Auslöser: ein Plakat der Grünen mit der Aufschrift: "Mach dich vom Acker, Gift!"

Stephan Stiegler, Seniorchef des Unternehmens, hält das für "Bauernhetze". "Unsere Leute müssen sich den Stinkefinger oder die Faust zeigen lassen, wenn sie mit den Landmaschinen durchs Dorf fahren", sagt er. Der fast 70-jährige Seniorchef des Landwirtschaftsbetriebes gibt solchen Parolen die Mitschuld an den täglichen Anfeindungen. Sein Standpunkt zum Einsatz von Chemie im Ackerbau: "Wir bringen kein Gift aus, wir schützen die Pflanzen. Im Moment funktioniert Landwirtschaft ohne Chemie nicht." Sohn Hendrik Stiegler weiß auch, warum. "Rein ökologisch zu produzieren, kostet das Dreifache. Wir könnten nicht mehr zum Weltmarktpreis produzieren. Wir gehen pleite", sagt er. Sein Bruder Georg, der auch im Familienbetrieb mitzieht, ist der Profi für den Acker. "Wir praktizieren schon lange schonende Bodenbearbeitung." Nur alle zehn Jahre ackern, sonst werde nur flach gearbeitet. Entgegen aller Behauptungen sei der Nährstoffwert seither sogar angewachsen. Glyphosat werde außerdem nur auf Stoppelfeldern ausgebracht, wo nichts blüht und sich demnach auch keine Bienen befinden. "Die größeren Feinde sind die Varroamilbe oder amerikanische Faulbrut." Das können die Imker Wolfgang Köhler aus Waldenburg und Frank Weise aus Langenchursdorf bestätigen.


In der hitzigen Glyphosat-Debatte argumentiert der Grünen-Politiker mit wissenschaftlich fundierten Fakten, wie dem drastischen Rückgang bei Insekten und Vögeln sowie dem dramatischen Verlust der Artenvielfalt. Das können die Landwirte aus ihrem täglichen Erleben für die Region nicht bestätigen.

Eine Patentlösung hat Günther nicht parat, wenn der Einsatz von Glyphosat 2020 verboten wird. "Da ist die Forschung gefordert. Aber so wie die Landwirtschaft im Moment funktioniert, ist sie schlecht", sagt der Grüne. Derzeit würden 30.000Tonnen reiner Wirkstoff bundesweit in Pflanzenschutzmitteln ausgebracht. "Das ist zuviel. Es geht um Reduktion. Wir wollen doch alle das Gleiche. Die Landwirtschaft so umstellen, dass die Bauern trotzdem davon leben können, aber ökologischer angebaut wird. Das heißt Know-how-Transfer, Ersatz suchen, Landwirte unterstützen", so Günther. Doch davon spüren Stieglers im Moment wenig.

Nach 60 Minuten eilt Günther weiter, ohne Annäherung in den Positionen. Nur in einem gab es Einigkeit: "Wir brauchen Zeit." Vom Glyphosat-Verbot rückt er aber nicht ab.

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