Warum der Vertrag zwischen ADAC und SRM wirklich platzte

Findet der Motorrad Grand Prix 2019 auf dem Sachsenring statt oder nicht? Zurzeit scheiden sich die Geister an einer knappen halben Million Euro.

Hohenstein-Ernstthal.

Die Austragung des Motorrad Grand Prix im kommenden Jahr auf dem Sachsenring scheitert gegenwärtig an einem Geldbetrag in Höhe von etwa 450.000 Euro. Aus Angst vor einer Vertragsstrafe räumt das zwar niemand offiziell ein. "Freie Presse" liegen aber geprüfte Informationen vor, die das bestätigen.

Der ADAC Deutschland hatte Ende Mai den Vertrag mit der Sachsenring-Rennstrecken-Managementgesellschaft (SRM) zur Austragung des Motorrad Grand Prix ab dem Jahr 2019 gekündigt. Seither gelangten zum Unmut der vielen Motorsport-Fans so gut wie keine Details an die Öffentlichkeit; die Beteiligten übten sich meistens in nichtssagenden Formulierungen. Jetzt wird aber klarer, warum das Verhältnis zwischen ADAC in München und SRM GmbH in Oberlungwitz gestört ist. Vereinfacht ausgedrückt geht es um eine erhöhte Bürgschaftssumme, die aufzubringen die SRM derzeit nicht bereit ist. Der Mehrbetrag liegt bei eben jenen rund 450.000 Euro.

Die ganze Sache ist allerdings kompliziert. Bereits am 15. Mai sollte die SRM dem ADAC die Bürgschaft für die Ausrichtung der Veranstaltung 2019 abliefern - ein 2016 vom Automobilclub aufdiktierter und von der SRM unter einem gewissen Druck akzeptierter Vertragspunkt, über dessen Sinn oder Unsinn nun heftig gestritten wird. Denn bis einschließlich 2016 hatte es der ADAC nicht so eilig und wirkte in diesem Punkt wesentlich entspannter. Es reichte ihm aus, wenn die Bürgschaft für den Grand Prix bei Hohenstein-Ernstthal jeweils im Spätsommer des Vorjahres auf dem Tisch lag. Doch das ist nun nicht mehr so, und deshalb steckt die SRM in der Bredouille. Denn sie hat noch mit der Bürgschaft für den Grand Prix 2018 zu tun - und eine zweite bekommt sie im Moment von keinem Kreditinstitut der Welt. Eine Bürgschaft allein beläuft sich auf rund 4 Millionen Euro.

Theoretisch ist das Problem natürlich zu lösen: Die Bürgschaft für das Sachsenring-Rennen an diesem Wochenende hätte bereits abgelöst sein und die Bürgschaft für 2019 auf dem Tisch liegen können. Immerhin hat die SRM bis Dienstag dieser Woche 3,5 Millionen Euro unter anderem für die Dorna-Gebühr an den ADAC überwiesen. Dessen Vorschlag an die SRM sah vor, die 2018er Bürgschaft an diesem Tag tatsächlich zu streichen, aber dafür die restlichen 450.000 Euro brutto auf die 2019er Bürgschaft draufzuschlagen. Die wäre dann nach oben geschnellt: von rund 4 auf deutlich über 4,5 Millionen Euro. Ein ungewisses wirtschaftliches Ergebnis des bevorstehenden Rennwochenendes im Nacken, lehnte die SRM diese erhöhte Bürgschaftssumme ab.

Trotzdem will der Veranstalter des Sachsenring-Grand-Prix weiterverhandeln - während der ADAC einen anderen Standpunkt vertritt. "Das Angebot liegt, so wie der bisherige Vertrag, auf dem Tisch. Wenn das jemand erfüllen kann - mit oder ohne Hilfe der Staatskanzlei, mit einem neuen Investor, einem neuen Partner oder einer neuen Konstellation -, dann soll es uns recht sein", sagte ein ADAC-Sprecher gestern zur "Freien Presse". Näher wollte er sich trotz Nachfrage nicht äußern.

Wer gewinnt den Vertrags-Poker? Die SRM, seit dem Grand Prix 2012 verlässlicher GP-Ausrichter, hat keine schlechten Karten, weil der ADAC zeitnah - möglicherweise noch in diesem Monat - die deutsche Strecke für 2019 melden muss. Eine realistische Alternative zum Sachsenring gibt es nach Einschätzung von Experten derzeit nicht.

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1Kommentare
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  • 4
    0
    franktellmi
    13.07.2018

    Bei den Summen und den ADAC fallen mir gleich die Geschichten mit den Autotests ein. Wer einmal Lügt den glaubt man nicht. Ich denke der Hockenheimring kann sich auch denken, das die Sachsen das Rennen boykotieren werden und lieber wieder ins mährische Brno oder nach Spielberg ausweichen werden. Beim letzten GP in Westdeutschland kamen 17000 Zuschauer. Na wohlan Hockenheimring.



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