Warum Hohenstein-Ernstthal nicht selbst blitzt

Die Stadt verzichtet auf ein eigenes Blitzgerät. Obwohl der Blick nach Glauchau zeigt: Damit lässt sich viel Geld einnehmen. Doch die Stadt hat ihre Gründe - und geht lieber auf Nummer sicher.

Hohenstein-Ernstthal.

Sie sind ein Ärgernis für jeden Autofahrer, ob stationär oder mobil. Während einige Städte mit ihren Blitzgeräten gutes Geld verdienen, machen andere damit ein deutliches Minus - und wieder andere verzichten ganz auf eine eigene Radarfalle.

So auch die Stadt Hohenstein-Ernstthal, die laut Oberbürgermeister Lars Kluge (CDU) keinen eigenen Blitzer hat. Stattdessen kümmert sich hier Limbach-Oberfrohna, das ein eigenes Gerät besitzt, mit um die Geschwindigkeitskontrollen. "Eine rein wirtschaftliche Entscheidung", sagt der OB. Doch ein Blick nach Glauchau zeigt, dass ein eigenes Blitzgerät lukrativ sein kann. 2017 für etwa 52.000 Euro angeschafft, nahm die Stadt 2018 damit bereits 106.000 Euro ein. Der jährliche Betrieb kostet etwa 10.000 Euro. Für Glauchau hat sich die mobile Anlage also offensichtlich gelohnt. "Wir bewerten die Ergebnisse positiv", sagt Fachbereichsleiter Markus Steinhart.

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In die andere Richtung kann es aber ebenso gehen. In Meerane etwa gibt die Stadt deutlich mehr für das Gerät aus, das die Kommune gemietet hat - laut Stadtsprecherin Heike Hönsch um die 60.000Euro im Jahr. Die Einnahmen sind ebenfalls deutlich geringer als in Glauchau, 2018 waren es 14.000 Euro. Unterm Strich blieb Meerane dabei also ein deutliches Minus.

Seit 2010 sind die Großen Kreisstädte für das Blitzen zuständig. Hohenstein-Ernstthal hat sich damals dazu entschieden, die Geschwindigkeitsmessungen in der eigenen Stadt von Limbach-Oberfrohna erledigen zu lassen. Der Deal der beiden Städte ist simpel: Limbach-Oberfrohna blitzt auch in der Karl-May-Stadt, trägt dafür alle Kosten, darf aber auch alle Einnahmen behalten. Hohenstein-Ernstthal muss nur sagen, wo geblitzt werden soll. Ein Nullgeschäft, mit dem Lars Kluge zufrieden ist. "Wir bekommen immer wieder Hinweise von der Bevölkerung, wo wir blitzen sollen", sagt der OB. Diese gibt die Stadt dann an Limbach-Oberfrohna weiter. "Inzwischen kennen wir die Ecken, an denen kontrolliert werden muss", sagt Kluge.

Ein eigenes Gerät wollte sich die Stadt damals aus wirtschaftlichen Gründen nicht anschaffen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. "Die Quote von Widersprüchen ist bei Geschwindigkeitsverstößen sehr hoch", sagt Kluge. Diese müssen alle bearbeitet werden und erhöhen damit den Verwaltungsaufwand. Um mit einem Blitzgerät wirklich Geld zu verdienen, müsse es entsprechend häufig eingesetzt werden. "Viel Blitzen sorgt für viele Einnahmen, aber auch für viel Ärger", fasst der OB zusammen.

In Limbach-Oberfrohna gibt es erst seit Ende 2017 ein eigenes Blitzgerät. Zuvor wurde auch dort ein angemietetes Gerät genutzt. Seitdem sind die Einnahmen durch die Kontrollen deutlich gestiegen. Waren es 2017 noch 36.700 Euro, so waren es 2018 bereits über 93.000 Euro. "Durch das neue Gerät können wir regelmäßiger Kontrollen durchführen als früher", sagt Stadtsprecherin Frances Mildner. Wie groß der Anteil aus Hohenstein-Ernstthal ist, das kann sie aber nicht sagen - schließlich behält Limbach-Oberfrohna aufgrund der Zusammenarbeit alle Einnahmen für sich.

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