Warum Steinkohle ins Archiv kommt

Die Bergleute im Zwickauer Revier holten 220 Millionen Tonnen Kohle aus der Erde. Ein kleiner Bruchteil ist noch da und wird im Bergbaumuseum Oelsnitz sorgfältig aufbewahrt.

Oelsnitz/Zwickau.

Einst hatte die Stadt an der Mulde so viel Kohle, dass man sich das heute kaum noch vorstellen kann. Es geht nicht um Geld. Es geht um richtige Kohle, um Steinkohle, 300 Millionen Jahre alt, die teils viele Hundert Meter tief in der Erde lagerte. Heute ist Zwickau blank. Seit 1978 gibt es hier keinen Bergbau mehr.

Doch von den 220 Millionen Tonnen, die im Revier Zwickau bis 1978 gefördert wurden, ist noch etwas da, nicht viel, aber immerhin. Im Bergbaumuseum in Oelsnitz, das die Geschichte des gesamten sächsischen Steinkohlenbergbaus widerspiegelt, lagert noch echte Kohle aus dem Zwickauer Revier. Für ihre derzeit und noch bis Ende des Jahres laufende Landesausstellung haben die Mitarbeiter um Museumschef Jan Färber einige Stücke aus dem Depot herausgeholt und für die Besucher in eine Vitrine gelegt. Zwar hat das Museum wie alle anderen auch im Moment geschlossen. "Aber wir hoffen, dass wir in diesem Jahr noch einmal öffnen können", sagt Färber.

Was hat es mit der Kohle aus Zwickau auf sich? Warum wird sie denn überhaupt noch aufgehoben?

Hartmut Tauscher (75) kennt die Antworten. Viele Zwickauer kennen ihn noch als Kustos der mineralogischen Sammlung des städtischen Museums in Zwickau, der heutigen Kunstsammlungen. Davor war er 18 Jahre im geologischen Betrieb der Wismut in Schlema tätig, das nach neuen Lagerstätten gesucht hat. Jetzt als Rentner hat es ihn also gewissermaßen in die Steinkohle verschlagen, Tauscher betreut die Sammlung der Zwickauer Kohlestücke. Sie wurden 1976 aus mehreren Flözen des Reviers entnommen. "Dabei handelte es sich um Abschlussproben", sagt Hartmut Tauscher. Zu diesem Zeitpunkt war längst klar, dass das Ende des Industriezweiges unmittelbar bevorsteht. Mit den Kohleproben aus den Flözen wollten die Geologen den Bergbau für die Nachwelt festhalten. "Wie genau waren die Flöze beschaffen? Welches Profil hatten sie? Welche verschiedene Arten von Kohle gab es hier? Das waren die Fragen, die man eben heute anhand der Proben ganz detailliert beantworten kann", sagt der Experte.

Die Proben befinden sich in den Schubladen zweier Schränke in einem Depot im Museum, ungefähr 2000 Stück. Man müsse sich das alles wie ein großes Archiv vorstellen, nur eben nicht mit Dokumenten aus Papier, sagt Heino Neuber, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Museum. "Und mit etwas Augenzwinkern kann man dieses Archiv als die größte noch existierende Steinkohlenlagerstätte in Sachsen bezeichnen", so Neuber weiter. Nirgendwo anders hätte eine sogenannte "Abschlussbeprobung" in dieser Größenordnung stattgefunden.

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.