Was unsere Rennfahrer so für Marotten haben

Max Enderlein, Paul Fröde und Moritz Jenkner aus Hohenstein-Ernstthal erzählen, an was sie vor einem Rennen glauben und an was nicht. Jeder von ihnen hat seine eigenen kleinen Rituale.

Hohenstein-Ernstthal.

Es gehört schon eine große Portion Mut dazu, mit Tempo 200 und über 30 Konkurrenten auf eine Kurve zuzufahren. Damit immer alles glatt geht, ist die Zuhilfenahme von Glücksbringern ein erlaubtes "Dopingmittel".

In der Klasse IDM Supersport/Superstock 600 der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft kämpfen in diesem Jahr gleich drei Hohenstein-Ernstthaler um Lorbeeren. In der Supersport-Kategorie ist Max Enderlein auf dem besten Weg, seinen im Vorjahr gewonnenen Titel zu verteidigen. Abergläubisch ist er zwar nicht, aber er hat ein bestimmtes Ritual, auch wenn etwas unfreiwillig. "Ich ziehe mir immer den linken Handschuh zuerst an. Das hängt damit zusammen, dass ich seit einer Verletzung mit der linken Hand im Handschuh den rechten besser anziehen kann als umgekehrt. Vor dem Start gehe ich immer noch einmal in die Hocke und dehne mich danach. Das mache ich allerdings nicht aus Aberglaube, sondern damit alles richtig sitzt. Auch steige ich immer von links aufs Motorrad, was sich über die Jahre so eingebürgert hat." Die Abläufe seien immer gleich, was im Prinzip ein Abarbeiten der Checkliste sei. Der 22-Jährige weiter: "Dadurch weiß ich immer, dass ich bestmöglich vorbereitet bin. Ich stecke mir keinen Glücksbringer in den Stiefel oder so was ähnliches, weiß aber in diesem Jahr, dass Dennis von oben auf mich aufpasst." Damit bezieht er sich auf seinen in diesem Jahr in Oschersleben tödlich verunglückten Rennfahrerkollegen Dennis Lippert. "Wir waren richtig gut befreundet, und ich war kurz nach dem Unglück ziemlich down."

Sich vorm Aufsteigen noch einmal hinhocken und beim Rausfahren aus der Box noch einmal auf dem Motorrad strecken, genauso wie Valentino Rossi, ist auch die praxisorientierte Marotte von Paul Fröde. Davor gibt es, wenn immer sie dabei ist, noch einen Kuss von der Freundin auf den Helm. Ansonsten ist auch er nicht abergläubisch und besitzt auch keinen Glücksbringer. "Ich bin da eher Realist. Man muss einfach nur schnell fahren. Ansonsten vermeide ich, eine Woche vor einem Rennwochenende Supermoto oder Mountainbike straff zu Trainingszwecken zu fahren. Ich will dadurch das Verletzungsrisiko reduzieren. Beim Einladen und der Hinfahrt bereite ich mich dann mental auf die anstehende Strecke vor. Ansonsten schalte ich auch mal ab", sagt der 17-jährige Gymnasiast.

Etwas mehr Aberglaube hat Moritz Jenkner. Der Rennfahrersohn hat immer eine 69 als Erinnerung an den Ex-Weltmeister Nicky Hayden auf dem Tank, der 2017 bei einem Fahrradunfall tödlich verunglückte und für den sein Vater Steve in der Superbike-WM als Fahrwerkstechniker arbeitete. "Ich betrachte ihn als meinen Schutzengel von da oben", erklärt der noch bis zum 9.September 18-Jährige, der in Anlehnung auch die Startnummer 96 für sich gewählt hat. "Die 69 wollte ich nicht als Abklatsch nehmen, aber die umgekehrte Nummer ist okay."

Vor einem jeden Qualifying oder Rennen putscht er sich zudem immer mit der gleichen Musik auf. Während er zuerst etwas von Rammstein hört, ist das letzte Lied "Sweet Caroline" von Neil Diamond.

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