Wenn Pedalritter den Sachsenring erobern

Der Region steht wieder ein sportliches Großereignis ins Haus. Wie vor 30 Jahren wird der Badberg in Hohenstein-Ernstthal wieder der größte Anziehungspunkt sein.

Hohenstein-Ernstthal.

Die alte Holztribüne ist proppenvoll. Die Sonne knallt auf die Köpfe. Der Fahrer legt die letzten Meter zurück, rollt über die Ziellinie. Fotoreporter Andreas Kretschel, damals noch ein junger Kerl Anfang 20, drückt auf den Auslöser. Wir schreiben das Jahr 1989, es ist der 22. Juli, auf dem Sachsenring neigt sich die DDR-Meisterschaft im Straßenradrennen dem Ende entgegen.

Wenn am Sonntag in einer Woche rund um den Sachsenring die Deutschen Meisterschaften im Straßenradfahren ausgetragen werden, rechnen die Veranstalter offiziell mit 5000 Besuchern im Start- und Zielbereich und an der Strecke. Aber diese Zahl ist wohl eher vorsichtig kalkuliert. Hohenstein-Ernstthal ist nämlich nicht nur eine motorsportverrückte Stadt. Auch der Radsport hat immer wieder Zehntausende zu seinen Rennen angelockt.


Im heißen Sommer des Jahres 1989 waren nach offiziellen Schätzungen 33.000 Zuschauer bei der DDR-Meisterschaft dabei. Im Feld der Fahrer fünf Olympiasieger, da war so ein Rennen natürlich ein richtiges Großereignis. Auch die vor fünf Jahren verstorbene Karin Schettler war mit einem ihrer Söhne an der Strecke. Karin Schettler war viele Jahre im Automobil- und Motorradclub Hohenstein-Ernstthal aktiv, und sie hatte es nicht weit an die Strecke. Sie wohnte direkt eingangs der Queckenbergkurve in Hermsdorf, ihr Sohn hatte ein Schild gebastelt, auf dem stand: "Marco grüßt die DDR-Elite". Die Rennfahrer trugen ihre Titelkämpfe auf dem alten Sachsenring aus, mussten 20 Mal an dem selbst gebastelten Bild vorbei. Scharfrichter war der Badberg. Den Titel erkämpfte sich damals Olaf Ludwig, nach Täve Schur vielleicht der populärste Radrennfahrer, den die DDR hatte. "Insgesamt fanden ein dutzend Mal DDR-Meisterschaften der Männer und dreimal der Frauen statt. Letzte DDR-Meister wurden 1990 Jens Heppner bei den Männern und Gabi Roestel bei den Frauen", so Dietmar Lohr vom Bund Deutscher Radfahrer.

Am Sonntag nächster Woche geht es 8 Uhr mit dem Frauen-Rennen los. Gefahren wird auf der Grand-Prix-Strecke und auf Teilen des alten Sachsenrings. Die schnellen Damen haben eine rund 13 Kilometer Strecke acht Mal zu absolvieren. Die Männer starten danach. Rennbeginn für sie ist 11.30 Uhr- Sie müssen den Kurs 14 Mal hinter sich bringen. "Die meistern Zuschauer werden wohl wieder am Badberg stehen", so Dietmar Lohr vom BDR. Dort, wo sich die Fahrer am meisten quälen, haben die Zuschauer die größte Freude.

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