Werden unsere Städte auch bald so bunt?

"Urban Knitting" heißt das Zauberwort. 2020 zum Jahr der Industriekultur könnte Hohenstein- Ernstthal verhüllt werden - zumindest markante Punkte. Jetzt beginnen die Vorbereitungen.

Hohenstein-Ernstthal.

Die Kalte Hedwig in blau-rot-grünem Rock? Oder die Schwäne auf dem Hotel am Altmarkt in schwarz-weiß-gelben Pudelmützen? Womöglich wird Hohenstein-Ernstthal tatsächlich bald bunter als wir uns das jemals vorgestellt haben. Wenn es soweit kommt, werden wir es Marina Palm zu verdanken haben, der Leiterin des Textil- und Rennsportmuseums.

2020 wird in Sachsen das Jahr der Industriekultur begangen. Die Landesschau findet in Zwickau statt, auch das Bergbaumuseum in Oelsnitz wird einbezogen. Doch was ist mit den beiden alten Textilarbeiterstädten Hohenstein-Ernstthal und Oberlungwitz? "Die wollen wir unbedingt mit einbeziehen", sagt Marina Palm. "Sie haben eine große Tradition. Die Menschen haben hier viele Jahrzehnte in dieser Branche gearbeitet."


Das Zauberwort heißt "Urban Knitting" oder zu deutsch: städtisches Häkeln. Dahinter steckt eine Form der Straßenkunst, bei der Gegenstände im öffentlichen Raum durch Stricken verändert werden. "Das kann vom Anbringen von gestrickten Accessoires bis zum Einstricken bestimmter Bauwerke reichen", erklärt Palm. Das erinnert fast ein klein wenig an den berühmten Künstler Christo, der einst den Reichstag in Berlin verhüllt hatte. Aber beim "Urban Knitting" ist alles viel, viel bunter. "Warum soll am Hot-Sportzentrum nicht sogar ein überdimensionales Fußball-Jersey in den Vereinsfarben des VfL 05 Hohenstein-Ernstthal hängen", fragt Marina Palm. Oder der übergroße, metallene "Stehpinkler" mit Hündchen hinter dem Rathaus nicht eine farbenfrohe Badehose und einen Hut tragen?

Aber natürlich müssen diese Kleidungsstücke erst einmal gehäkelt oder gestrickt werden, und das braucht viel Zeit. Deshalb startet die Museumsleiterin schon jetzt einen Aufruf. Sie sucht Patinnen oder Paten, die in den Sommerferien Kindern oder Jugendlichen im textil- und Rennsportmuseum das Häkeln oder Stricken beibringen. Am Mittwoch kommender Woche, 17 Uhr, können sich Leute, die Lust und Interesse an dem Projekt haben, bei Marina Palm im Museum melden. Dann findet dort eine erste Beratung statt. Natürlich geht es nicht gleich ganz so groß los. Gieslinde Neuber, ein Mitglied im Förderverein des Textil- und Rennsportmuseums, hat als ein erstes Anschauungsstück ein Einkaufsnetz aus Garn gehäkelt. Mit solchen Dingen sollen die Kinder an die großen Exponate wie zum Beispiel für die Kalte Hedwig, die Sandstein-Dame auf dem Brunnen am Rathaus, herangeführt werden.

OB Lars Kluge freut sich: "Eine tolle Idee. Ich bin gespannt."

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2Kommentare
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    Distelblüte
    18.06.2019

    Kleine Korrekter: Urban Knitting bedeutet eigentlich Städtisches Stricken... Häkeln funktioniert aber auch.

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    WolfgangPetry
    18.06.2019

    Das Interesse in Hohenstein für solch urbane Hobbys scheint ausbaufähig...



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