Werner Legère setzte der Dame mit der Lampe ein Denkmal

Im vergangenen Monat wäre Florence Nightingale 200 Jahre alt geworden. Ein Hohenstein-Ernstthaler hat sich in einem Roman mit dem Leben der berühmten Krankenschwester befasst.

Hohenstein-Ernstthal.

Sie war eine begabte Mathematikerin. Doch ihre Verdienste erwarb sich Florence Nightingale auf einem anderen Gebiet. Die Frau revolutionierte die Krankenpflege. Im vorigen Monat wäre Florence Nightingale 200 Jahre alt geworden. Ein Hohenstein-Ernstthaler hat sich für deren Leben besonders interessiert - Autor Werner Legère. Er selbst hätte am 28. Mai seinen 108. Geburtstag gefeiert.

Florence Nightingale wurde am 12. Mai 1820 während einer Reise ihrer Eltern Fanny geb. Smith und William Edward Nightingale in Florenz geboren. Nach dem Geburtsort wurde ihr Vorname gewählt. Als Tochter einer durch eine Erbschaft wohl begüterten Familie konnte sie ihre Anlagen ausbilden. Der Wunsch nach einem Studium der Mathematik, der aufgrund der damaligen Stellung des weiblichen Geschlechtes in der englischen Gesellschaft als ungehörig galt, ließ sich allerdings nicht verwirklichen. Später verspürte sie einen starken Impuls, ihr Leben der Pflege kranker Menschen zu widmen. Auch dabei hatte sie anfangs gesellschaftlich begründete Widerstände seitens ihrer Eltern zu überwinden. Erst 1852 erhielt sie die Zustimmung ihrer Familie und begann, die Arbeitsweise mehrerer Krankenhäuser vor Ort zu studieren. Ihr großes Vorbild war die Ärztin Elizabeth Blackwell.

Nightingales Stunde der Bewährung schlug während des Krimkrieges (1853 - 1856). Dieser militärische Konflikt ging als erster moderner Stellungskrieg in die Geschichte ein. Erste Komponenten industrieller Kriegsführung, verstärkt durch Seuchen und eine oft unsachgemäße Versorgung der Verwundeten, führten dazu, dass alle Kriegsparteien eine große Anzahl Opfer zu beklagen hatten. Dabei stellte sich die medizinische Versorgung der Briten gegenüber der anderer Armeen, zum Beispiel der französischen, als rückständig heraus. Staatssekretär Sidney Herbert beauftragte Florence Nightingale offiziell mit einem Schreiben, ihrem eigenen Ansinnen zuvorkommend, die Krankenpflege des Krankenhauses von Scutari zu reorganisieren. Ihr großer persönlicher Einsatz brachte ihr die Verehrung vieler verwundeter Soldaten und den Beinamen "Engel von Scutari" ein. Der Gewohnheit, nach langem täglichem, hauptsächlich organisatorischem Dienst nachts in den Sälen nach dem Befinden der Verwundeten zu sehen, verdankte sie die Bezeichnung "Die Dame mit der Lampe", unter der sie in die englische Volkskunst Eingang fand.

Dank ihres mathematischen Verständnisses entwickelte Florence Nightingale das Polar-Area-Diagramm, mit dem sie die Todesursachen im Krimkrieg mittels eines Farbcodes anschaulich darstellte. Diese Form des Diagrammes begegnet uns heute häufig unter dem Namen "Tortendiagramm". Als sie nach langer, im Krieg zugezogener Krankheit am 13. August 1910 in London stirbt, hat sie viele Veränderungen bewirkt, die bis heute Geltung haben. Henry Dunant, der Mitbegründer des Roten Kreuzes, fühlte sich durch ihr Lebenswerk zu seinem humanistischen Handeln inspiriert.

Anfang der 1950er Jahre trug sich der Hohenstein-Ernstthaler Schriftsteller Werner Legère, im Zweiten Weltkrieg selbst zeitweise an der Front eingesetzt und mit den Schrecken des Krieges vertraut, mit dem Gedanken, ein biografisches Werk über die Krankenschwester Florence Nightingale zu schreiben. Da ihr Leben jedoch bereits bis ins Detail biografisch aufbereitet vorlag, entschloss er sich, sie in einem Roman zu würdigen, den er 1956 unter dem Titel "Schwester Florence" in der Evangelischen Verlagsanstalt Berlin veröffentlichte. Sowohl Legères Roman als auch die Lebensgeschichte der Florence Nightingale berichten von Not, den Widrigkeiten, aber auch den Möglichkeiten, in schweren Zeiten selbstbestimmt und menschlich zu denken und zu handeln. Die Persönlichkeit Florence Nightingales ragt aus der Zeit, denn es ist ihr Verdienst, dass aus der Pflegetätigkeit ein Lehrberuf wurde.

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