Widerstand gegen Waldfriedhof wächst

In die Diskussionen um einen Bestattungswald in Waldenburg hat sich ein Landschaftsplaner aus Hamburg eingeschaltet. Er kämpft seit Jahren deutschlandweit gegen die Bestattungen unter Bäumen. Was treibt ihn an?

Waldenburg.

Fast fünf Autostunden liegt die Metropole an Elbe und Alster von Waldenburg entfernt. Dort lebt Andreas Morgenroth. Der Hamburger ist Landschaftsplaner und Friedhofsberater. Überall dort, wo über die Entstehung von Bestattungswäldern diskutiert wird, meldet sich Morgenroth zu Wort. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, gegen die Bestattungen unter Bäumen zu kämpfen - egal, um welches Fleckchen in Deutschland es sich handelt.

Die Artikel der Lokalzeitungen im Internet weisen ihm den Weg. Nun also interessiert sich Morgenroth auch für die Töpferstadt. "Bestattungswälder bedrohen nicht nur unsere Friedhofskultur, sondern belasten auch die Umwelt", sagt Andreas Morgenroth. Totenaschen seien zum Teil erheblich mit Chrom und Nickel aus den Ofenbeschichtungen der Krematorien kontaminiert und sollten nicht in Waldböden gelangen. Er bezieht sich auf Veröffentlichungen der Fachpresse und auf eine Studie der Uni Freiburg. Diese Studie wurde von der Friedwald GmbH in Auftrag gegeben, jenes Unternehmen, das gemeinsam mit Waldbesitzer Franz Freiherr von Feilitzsch in der jüngsten Stadtratssitzung Pläne für einen Bestattungswald in Waldenburg vorgestellt hat.


Interessant ist, dass ein und die- selbe Studie völlig unterschiedlich interpretiert wird. Die Uni Freiburg hatte leicht erhöhte pH-Werte unter den Urnen festgestellt, die den natürlichen Schwankungen des Waldbodens entsprechen sollen. Zudem hätten sich bis zu 13 Jahre nach einer Beisetzung keine Schwermetalle von der Asche in den Waldboden verlagert, heißt es in einer Zusammenfassung. "Die Ergebnisse sind eindeutig und bestätigen die Unbedenklichkeit von Totenasche für das Ökosystem", teilt Friedwald-Sprecherin Corinna Brod mit. Andreas Morgenroth findet die gleichen Ergebnisse hingegen alarmierend.

Den Bestattungswald-Unternehmen Friedwald und Ruheforst ist der unermüdliche Kritiker Morgenroth ein Dorn im Auge. "Ausschließlich gegen diese wettbewerbswidrigen Falschbehauptungen sind wir 2015 auch mit juristischen Mitteln vorgegangen", sagt Friedwald-Sprecherin Corinna Brod. Mithilfe von einstweiligen Verfügungsverfahren sei es gelungen, die Falschbehauptungen zu unterbinden. Das Unternehmen Ruheforst hatte eine Unterlassungsklage gegen Morgenroth auf den Weg gebracht.

Morgenroth hat nun auch Mails an die evangelische Landeskirche, den Landkreis Zwickau und an Naturschutzverbände geschickt. "Wir haben es in Sachsen mit einer Verwaltungspraxis zu tun, die, was Urnenwälder betrifft, den bundesdeutschen Standard stark unterbietet", sagt er. Er bewerte die sächsische Praxis vor dem Hintergrund des Vorsorgeprinzips als fahrlässig. Bisher gibt es nur einen Bestattungswald im nordsächsischen Bennewitz. Beschlossen wurden bereits die Möglichkeiten für Baumbestattungen in Coswig, Moritzburg und Callenberg. In Waldenburg wurde die Entscheidung auf Herbst verschoben. In der jüngsten Stadtratssitzung hat sich Pfarrer Ulrich Becker gegen einen Bestattungswald ausgesprochen.

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