Wie aus 150.000 Mark einst 37 Millionen wurden

Denkmale sind nicht nur markante Hingucker und Wahrzeichen von Orten. Sie sind auch Herausforderungen, wenn es darum geht, sie zu sanieren oder zu erhalten.

Oberlungwitz.

Der diesjährige Tag des offenen Denkmals hat einen besonderen Aspekt auf den Erhalt von Baudenkmälern gelegt - ein Thema, mit dem sich die Oberlungwitzer Kirchgemeinde schon seit Jahren ganz praktisch beschäftigt. Denn an ihrer St.-Martins-Kirche wurde und wird gebaut.

Mit der Sanierung des Kirchturmes und des Kirchenschiffes wurde schon viel geleistet, doch die Gemeinde hat noch viele Aufgaben vor sich. Manche ergeben sich dabei auch erst im Laufe der Arbeiten, was den Besuchern gestern am Beispiel der aufwendigen Kirchenleuchter deutlich gemacht wurde.

Sie bestehen aus tausenden kunstvoll geschliffenen Glasteilen und müssten eigentlich dringend gereinigt und überholt werden. "Wir haben noch nicht entschieden, wie wir das machen", sagte Volkmar Teske aus dem Bauausschuss der Gemeinde. Grund dafür ist das liebe Geld. Die Restaurierung der Leuchter, die 1852 in die Kirche kamen, dürfte rund 30.000 Euro kosten. Glasteile müssten ebenso erneuert werden wie einige der dünnen Drähte und die Elektrik, die nachträglich installiert wurde.

Die letzte Reinigung der Leuchter, von denen der schwerste an die hundert Kilo wiegt, gab es 1976. Zu reinigen gibt es demnächst in der Martinskirche aber nicht nur die Leuchter. Denn an der Decke finden derzeit Arbeiten am Putz statt. "Es hat sich gezeigt, dass der Putz insgesamt hält. Es werden nur die Risse beseitigt", erklärte Teske. Da die Kirchendecke aus Holz arbeitet, können aber auch in Zukunft wieder Risse auftreten.

Der Dachboden über der Kirchendecke, wo es in den vergangenen Jahren umfangreiche Zimmerarbeiten am Gebälk und bei der Erneuerung des Daches gab, konnte bei Führungen gestern ebenso in Augenschein genommen werden wie der Turm der Martinskirche. Der untere Teil wurde vor 1452 gebaut und gilt als ältestes Bauwerk von Oberlungwitz.

Nachdem des Kirchenschiff 1804 vergrößert wurde, war der Turm zu niedrig, doch die Erhöhung erfolgte erst Anfang der 1920er-Jahre. "Das sind ganz andere Steine", erklärte Andreas Schubert bei einer der Führungen im Turm, der die Gäste mit seinen dicken Mauern aus akkurat aufgemauerten Feldsteinen beeindruckte. Da die Erhöhung in die Inflationszeit fiel, änderten sich auch die Kosten für das Projekt erheblich. Ging man ursprünglich von "nur" 150.000 Mark aus, wurden es am Ende 37 Millionen - das Geld war plötzlich deutlich weniger wert.

37 Millionen kostet die Sanierung heute zwar nicht, aber die Gemeinde steht dennoch vor weiteren Herausforderungen. Im Eingangsbereich der Kirche im Turm gibt es noch einiges zu tun, und auch die Orgel wartet noch auf ihre Sanierung, genauso weitere Gebäude am Pfarrhof. "Das beeindruckt einen schon, wie die Gemeinde früher die ganzen Baumaßnahmen gestemmt hat", sagte Raphael Püschmann aus dem Kirchenvorstand. Denn damals habe ja nicht nur die Technik gefehlt, sondern auch die Fördermittel, die heutzutage trotz teils langem Kampf um die Gelder eine große Hilfe beim Erhalt eines altehrwürdigen Gebäudes wie der Martinskirche sind.

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