Wie feiert man eigentlich seinen 100. Geburtstag?

Wir werden immer älter. In Hohenstein-Ernstthal gibt es inzwischen zwölf Menschen, die 100 Jahre sind oder älter, wie zum Beispiel Ruth Arnold. Da kann man schon mal nachfragen, wie man so ein Jubiläum feiert.

Hohenstein-Ernstthal.

Ruth Arnold hebt das Glas. Es ist mit alkoholfreiem Sekt gefüllt. Zwar gönnt sich die Frau hin und wieder mal einen Eierlikör. Aber es ist erst 10.30Uhr und Ruth Arnold hat noch einige anstrengende Stunden vor sich. Es ist Dienstag, der 21.Januar 2020, ihr 100. Geburtstag. Da muss man ganz langsam machen.

Das Durchschnittsalter der Einwohner von Hohenstein-Ernstthal ist innerhalb von drei Jahren von 49 auf 51 angestiegen. Vor vier Jahren gab es noch acht Menschen in der Stadt, die 100 oder älter waren. Heute sind es zwölf, wie die Stadtverwaltung diese Woche mitteilte. Deutschlandweit gibt es inzwischen 16.000 über Einhundertjährige, doppelt so viel als vor zehn Jahren. Wir werden immer älter. Da kann man schon mal überlegen und nachfragen: Wie läuft denn ein 100. Geburtstag eigentlich so ab?

Ruth Arnold war schon früh um fünf putzmunter. Nicht vor Aufregung, sondern weil sie nicht mehr viel schläft. Sie lebt seit drei Jahren im PKP Seniorenheim in Wüstenbrand und sitzt im Rollstuhl, seit es mit dem Laufen nicht mehr so gut klappt. Bis dahin - bis 97! - kam sie zuhause alleine ganz gut zurecht. "Du siehst ja heute adrett aus", sagt ein Geburtstagsgast. Die Feier findet in der kleinen Weinstube des Hauses statt. Schwiegertochter Monika Kötz, die im Februar auch schon 80 wird, hat am Morgen Brötchen geschmiert und belegt und mehrere Platten mitgebracht. "Ich sehe immer adrett aus", antwortet Ruth Arnold dem Geburtstagsgast schlagfertig. Tatsächlich sieht die Jubilarin noch nicht aus wie 100. "Ich war immer viel spazieren und habe immer gerne gelacht", sagt sie. Aber sie hat auch Schicksalsschläge einstecken müssen. Ihr Mann und ihr einziger Sohn sind schon gestorben. Neben ihr während der Feier in der Weinstube sitzt Gertrud Lasch (90), ihre beste Freundin, die im Seniorenheim im Nachbarzimmer wohnt. Die beiden machen oft Kreuzworträtsel und Sudoku zusammen. "Wenn mir vor 20 Jahren jemand gesagt hätte, ich werde einmal 100, das hätte ich nicht geglaubt", sagt Ruth Arnold. Wie viele hat sie früher in der Textilindustrie gearbeitet. Dann fügt sie hinzu: "Aber manchmal ist es schon schwer, da will man gar nicht mehr ..."

Am Nachmittag kommt auch OB Lars Kluge zu Besuch. Das Stadtoberhaupt gratuliert seinen Hohenstein-Ernstthalern, wenn sie 90 oder 95 werden oder ab dem 100. Geburtstag. "Ja, meine Besuche zu diesen Jubiläen sind in den letzten Jahren mehr geworden", sagt er. Dann überreicht er Ruth Arnold einen Blumenstrauß, eine Flasche Saft und etwas zum Knabbern.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...